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Provenienzforschung

Provenienzforschung und Restitution im Heeresgeschichtlichen Museum / Militärhistorischen Institut

Die Erforschung der Provenienz von Sammlungsobjekten, im Sinne einer Auseinandersetzung mit ihrer Herkunft und den vormaligen Besitzverhältnissen, gehört zu den Kernaufgaben jedes Museums. Ein spezifischer Bereich von Provenienzforschung verdient jedoch besondere Aufmerksamkeit, nämlich jener der sich auf die während der Zeit des Nationalsozialismus unrechtmäßig entzogenen Vermögenswerte bezieht.

Das zunehmende Bewusstsein dafür, dass deren Rückgabe in den Jahren nach 1945 – auch durch die Republik Österreich – nur unvollständig erfolgte, führte im Jahr 1998 zur Verabschiedung des sog. „Kunstrückgabegesetzes“ (BGBl. I Nr. 181/1998; Novelle BGBl. I Nr. 117/2009). Dieses zielt darauf ab, dass Kunst- und Kulturgegenstände die aufgrund von Verfolgung- und Enteignung durch das NS-Regime in den Jahren 1938 – 1945 oder als deren Folge nach 1945 in das Eigentum des Bundes gelangten, an die ursprünglichen Eigentümer bzw. deren Rechtsnachfolger zu restituieren sind.

Um den mit dem Gesetz verfolgten Zweck zu erreichen, sind intensive Nachforschungen in den jeweiligen Bundesmuseen und -sammlungen, welche Bundeseigentum an Kunst- und Kulturgütern verwalten, erforderlich. Die Vertreter der jeweiligen Institutionen recherchieren daher die Herkunft fraglicher Objekte und erarbeiten im Rahmen der 1998 eingerichteten „Kommission für Provenienzforschung“ Entscheidungsgrundlagen für den im selben Jahr geschaffenen „Kunstrückgabebeirat“. Dieser spricht nach entsprechender Prüfung der Sachverhalte Empfehlungen an die zuständige Ministerin/den zuständigen Minister hinsichtlich einer allfälligen Rückgabe aus.

Das HGM/MHI beteiligt sich seit 1998 an der Arbeit der Kommission für Provenienzforschung im Sinne des „Kunstrückgabegesetzes“ und konnte dabei an bereits zuvor laufende Grundlagenforschung und Recherchen hinsichtlich der Provenienz fraglicher Sammlungsobjekte anknüpfen.

Es zeigte sich, dass im Zeitraum 1938 bis 1945 52 Objekte aus vom NS-Regime beschlagnahmten privaten Sammlungen (Oskar BONDY, Alphonse de ROTHSCHILD, Albert POLLAK, Ernst und Gisela POLLAK, Franz RUHMANN, Emilio von HOFMANNSTHAL) in das damalige Heeresmuseum gelangt waren. Ein Großteil von diesen wurde – sofern sie nicht im Zuge der Kriegsereignisse vernichtet worden waren – in der Nachkriegszeit ab 1947 restituiert. 15 dieser vom NS-Regime entzogenen Kulturgüter verblieben jedoch aus unterschiedlichen Gründen in der Sammlung des Museums und wurden ab 1999 an die rechtmäßigen Erbinnen und Erben übergeben.

Die Ergebnisse weiterer Untersuchungen verdeutlichen das breite Spektrum an Sachverhalten, welche als Restitutionsgrund anzusehen sind. So erwarb das Heeresmuseum Wien in mehreren Fällen Objekte, die ihm von durch das NS-Regime Verfolgten selbst zum Kauf angeboten worden waren (Albert KLEIN, Eduard EPSTEIN, Geza RADO, Hans FISCHL, Siegfried FUCHS). Derartige Ankäufe sind im Sinne des „Kunstrückgabegesetzes“ bzw. des § 1 des Gesetzes vom 15. Mai 1946, BGBl. I Nr. 106/1946 als nichtig zu betrachten, da davon ausgegangen wird, dass es sich dabei um Rechtsgeschäfte handelt, die im Zuge der durch das Deutsche Reich erfolgten politischen oder wirtschaftlichen Durchdringung Österreichs vorgenommen wurden, um natürlichen oder juristischen Personen Vermögenschaften oder Vermögensrechte zu entziehen, die ihnen am 13. März 1938 zugestanden sind. 

In einem anderen Fall wurde im Jahr 1950 ein zu restituierendes Objekt aus der Sammlung des Viktor EPHRUSSI von dessen Erben angekauft, nachdem es zuvor auf Ersuchen des HGM vom Bundesdenkmalamt mit einem Ausfuhrverbot belegt worden war. Gem. §1 Abs. 1 des „Kunstrückgabegesetzes“, BGBl. I Nr. 117/2009 ist daher das betreffende Bild zu restituieren. Derartige auf Ausfuhrverbote zurückzuführende Ankäufe der Zeit nach 1945 erfasst das „Kunstrückgabegesetz“ dabei erst seit seiner Novellierung im Jahr 2009 als Restitutionsfälle.

Durch die Provenienzforschung konnten außerdem auch mehrere Objekte identifiziert werden, die unter dem Begriff des sog. „herrenlosen Gutes“ zu subsumieren wären, die also nachweislich aus durch das NS-Regime entzogenem Vermögen stammen, jedoch keiner bestimmten und nachweisbaren Provenienz mehr zugeordnet werden können. Um dennoch allfällige rechtmäßige Vorbesitzer bwz. deren Erbinnen und Erben ausfindig zu machen, werden die Objekte über die betreffende Kunstdatenbank des Nationalfonds der Republik Österreich publiziert.

Weitere Informationen zur Provenienzforschung im Rahmen des „Kunstrückgabegesetzes“:

Kommission für Provenienzforschung

Kunstdatenbank des Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus