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Saal der Revolutionen

Von den Franzosenkriegen bis 1848

Am Ende der Regierungszeit Josephs II. war das Habsburgerreich gemeinsam mit Russland neuerlich in einen teuren, jedoch wenig erfolgreichen Krieg gegen das Osmanische Reich verwickelt. Währenddessen vollzogen sich in Frankreich Umbrüche von welthistorischer Tragweite.

Am 14. Juli 1789 stürmten in Paris aufgebrachte Volksmassen die Bastille, das Staatsgefängnis, Symbol der verhassten Herrschaft König Ludwigs XVI. Im April 1792 erfolgte die Kriegserklärung Frankreichs an das Habsburgerreich. Dieses schloss sich mit Preußen und Großbritannien zur Ersten Koalition zusammen. Der nachfolgende Krieg dauerte bis 1797 und endete mit der Niederlage der Verbündeten. Die Habsburgermonarchie musste die Österreichischen Niederlande und die Lombardei abtreten, erhielt dafür jedoch Venetien zugesprochen. Als französischer General war in diesem Krieg Napoleon Bonaparte (1769 – 1821) immer stärker hervorgetreten, während sich auf kaiserlicher Seite Erzherzog Carl (1771 – 1847), ein Bruder von Kaiser Franz II./I., als besonders fähiger Heerführer erwies, der eine Reihe von Siegen, darunter jenen bei Würzburg (1796), erringen konnte.

Napolein I. als König von Italien

1799 kam es zum Zweiten Koalitionskrieg, den vor allem das Habsburgerreich und Russland gegen Frankreich führten. Nach wechselhaften Kämpfen in Italien und in der Schweiz legte Erzherzog Carl das Kommando nieder. Unter seinem Bruder Erzherzog Johann (1782 – 1859) verlor ein österreichisch-bayerisches Heer am 3. Dezember 1800 die entscheidende Schlacht von Hohenlinden. Der Friede von Lunéville beendete diesen Krieg. Da Napoleon, der sich 1804 zum Kaiser der Franzosen krönte, aber auf eine Vorherrschaft Frankreichs in Europa hinzuarbeiten schien, erklärten ihm Österreich und Russland 1805 abermals den Krieg. Dieser endete mit der verlorenen Schlacht von Austerlitz und dem Frieden von Pressburg. Österreich musste Tirol an das mit Frankreich verbündete Bayern abtreten. 1806 legte Kaiser Franz II. die römisch-deutsche Kaiserkrone nieder und regierte nur noch als Franz I. von Österreich.

Im Jahr 1809 hoffte die Habsburgermonarchie, in einem neuen Krieg die französische Hegemonie durch Entfachung einer „nationalen Erhebung“ in den deutschsprachigen Gebieten brechen zu können. Dies schlug sich auch in der Aufstellung einer „Landwehr“ nieder, mit der eine Annäherung an die „Volksbewaffnung“ nach französischem Vorbild versucht wurde. In dem von April bis Juli dauernden Feldzug siegte Erzherzog Carl zwar in der Schlacht bei Aspern (21./22. Mai 1809) und fügte Napoleon damit dessen erste persönliche Niederlage zu, verlor aber die kriegsentscheidende Schlacht von Deutsch-Wagram (5./6. Juli 1809). Im Frieden von Schönbrunn hatte Österreich abermals schwere territoriale Verluste hinzunehmen. Um einen Ausgleich mit Frankreich bemüht, sah es sich 1812 gezwungen, am verlustreichen Feldzug Napoleons gegen Russland teilzunehmen. Erst 1813 schloss sich die Habsburgermonarchie wieder einer gegen Napoleon gerichteten Koalition von Russen, Preußen, Schweden und Briten an. Die Entscheidung fiel zwischen dem 16. und dem 19. Oktober 1813 in der „Völkerschlacht“ von Leipzig. Ende März 1814 zogen die Alliierten in Paris ein. Napoleon dankte ab.

Gala-Uniform von Kaiser Franz I.

Der zwischen November 1814 und Juni 1815 stattfindende Wiener Kongress diente der Neuordnung Europas. Der Restaurationsversuch Napoleons, der mit seiner Niederlage in der Schlacht von Waterloo und der Exilierung des Kaisers der Franzosen endete, war lediglich ein Intermezzo. Am 20. November 1815 wurde der 2. Pariser Friede unterzeichnet. Schon wenige Jahre nach dem Wiener Kongress bereiteten aber vielen europäischen Staaten revolutionäre Bewegungen Sorgen. Ausgelöst wurden sie von gewaltigen sozialen und nationalen Problemen. Jahrzehnte hindurch fungierte Österreich dabei als eine Art „europäischer Polizist“. Dabei unterdrückte es auch im Inneren des eigenen Reiches liberale Strömungen.

Was sich als österreichisches Biedermeier präsentiert, in dem auch der am Kaiserhof unter Obhut seines Großvaters stehende Sohn Napoleons I., der Herzog von Reichstadt (1811 – 1832), aufwuchs, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als eine sehr gewaltsame Periode. Österreich beteiligte sich an militärischen Interventionen zur Niederschlagung revolutionärer Bewegungen. Nach dem Tod von Kaiser Franz I. 1835 verschärften sich die Probleme unter der Regierung seines wenig begabten Sohnes Kaiser Ferdinands I. (1793 – 1875).

Am 13. März 1848 brach auch im Kaisertum Österreich die Revolution aus. In Prag wurde die revolutionäre Bewegung blutig niedergeschlagen. In Wien gelang es den Aufständischen, die in der Stadt befindlichen k. k. Truppen zum Abziehen zu veranlassen. Erst im Oktober konnte die Kaiserstadt unter Aufbietung großer militärischer Mittel von Feldmarschall Alfred Fürst Windisch-Graetz und dem Banus von Kroatien, Feldmarschallleutnant Joseph Graf Jelačić von Bužim, zurückerobert werden. In Ungarn und Italien sollte die Zukunft der habsburgischen Herrschaft hingegen noch länger ungewiss bleiben.