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Patrouillenbootstaffel Korneuburg/Alte Werft
Geöffnet ab 5. Juni 2022

Österreichische Marinegeschichte hautnah erleben!

Boot mit Tarnanstrich im Wasser.
Boot im Wasser in voller Fahrt von vorne.

Nach ihrer altersbedingten Außerdienststellung 2006 wurden die beiden größten Patrouillenboote des Österreichischen Bundesheeres NIEDERÖSTERREICH und OBERST BRECHT dem Heeresgeschichtlichen Museum/Militärhistorisches Institut für museale Zwecke übergeben. Da es sich um Einzelstücke handelt, haben sie für die Dokumentation der österreichischen Militärgeschichte aus den Jahren des Kalten Krieges vor 1989 eine besondere Bedeutung.

Museale Betreuung in ihrem Element

Weil die Erhaltung der Schiffe in ihrem natürlichen Element, dem Wasser, naheliegend war, wurden sie am 16.11.2006 der aus praxisorientierten Schiffsliebhabern und Veteranen der Militär- sowie Zivilschifffahrt bestehenden „Marinekameradschaft Admiral Erzherzog Franz Ferdinand“ MKFF zur musealen Betreuung übergeben. Neben der Pflege und Erhaltung der Boote im einsatzfähigen Zustand steht dabei die Präsentation für die Öffentlichkeit im Vordergrund. Der ursprüngliche Liegeplatz direkt unter der Reichsbrücke beim Schifffahrtszentrum am Wiener Handelskai mussten die Schiffe im Frühjahr 2014 verlassen. Seit 28.3.2014 liegen sie an ihrem Entstehungsort, der alten DDSG-Werft in Korneuburg, zur Besichtigung bereit, fallweise auch mit den gesamten Innen-, Wohn- und Maschinenräumen.

Die seit 2004 bestehende und seit 12.05.2005 im Vereinsregister eingetragene „Marinekameradschaft Admiral Erzherzog Franz Ferdinand“, ein vom Bundesministerium für Landesverteidigung anerkannter wehrpolitischer Verein, ist an dieser Außenstelle des Heeresgeschichtlichen Museums tätig. Die Pflege der Schiffe und ihr Betrieb finanziert sie aus Mitgliedsbeiträgen sowie freiwilligen finanziellen und Sachspenden.

Patrouillenboot OBERST BRECHT

Zwei Patrouillenboote hintereinander im Wasser.

Das Patrouillenboot OBERST BRECHT wurde in den Jahren 1957-1958 in der Werft Korneuburg, Baunr. 553 erbaut. Es war das erste neue Schiff Bundesheeres, das nach dem Abzug der Besatzungsmächte 1955 wieder entstanden ist. Die an der Bordwand weit sichtbare Nummer 601 ist die Zulassungsnummer der Wiener Magistratsabteilung 58 (A 601). Die Bezeichnung 602 trug ein Notzusammenbau aus zwei alten Wehrmachtsbooten, die Nr. 603 blieb im Register leer, sie wurde wahrscheinlich für das geplante Schwesterschiff der NIEDERÖSTERREICH, WIEN, reserviert. Die NIEDERÖSTERREICH bekam die Nr. 604. Die folgenden Zahlen wurden der nach und nach sich aus den M 3- und M 80-Motorbooten erweiternden Bundesheer-Flottille zugeteilt. 

Der Namensgeber Oberst Brecht

Oberst Friedrich Brecht-Labrès wurde am 11.12.1908 in Innsbruck geboren und starb am 10.4.1958 in Wien. Bestattet wurde er in Klosterneuburg-Kierling. Er war Leiter des Pionierinspektorates und der Abteilung für Waffentechnik. Das nach ihm benannte, aus Stahl erbaute Boot wurde am 14.10.1958 vom Bundesheer übernommen und anschließend vielseitig eingesetzt: neben den üblichen Patrouillenfahrten auch zum Schieben von 25 t- und 50 t-Bundesheerfähren sowie als Schlepp- und Schulungsboot oder zur Vermessung von Flussprofilen. 2003-2004 wurde das Boot durch das Kaderpersonal modernisiert und bekam eine neue Silhouette mit einem Tarnanstrich.

Boot mit zwei Soldaten an Bord und großer Bugwelle.

Technische Daten:

Wasserverdrängung:betriebsbereit 10,83 t
Länge über Alles12,30 m
Breite über Alles2,51 m
Tiefgang0,80 m
Höhe über KWL mit Toplicht3,30 m, plus Antennen 1,90 m
Außenhaut aus Stahl4-6 mm
Geschwindigkeit27 km/h
Fahrtstrecke mit einer Tankfüllung 500 l300 km
Bewaffnung1 überschweres MG 12,7 mm, 1 Panzerabwehrrohr 8,4 cm, 4 Sturmgewehre, 2 Nebelgranatenwerfer
Bemannungje nach Einsatz 4 bis 6, die Matrosen waren gleichzeitig Schützen

Maschine: ursprünglich zwei Gräf & Stift 6-Zylinder Dieselmotoren mit je 8276 ccm. 1986 in Korneuburg durch zwei neue MAN Diesel gleicher Größe mit 2 x 145 PS bei 2200 U/min ersetzt. 2 Propeller mit 4 Flügeln und 70 cm Durchmesser, nach außen drehend. 

Patrouillenboot im Wasser von der Seite.

Patrouillenboot NIEDERÖSTERREICH

Patrouillenboot im Wasser von der Seite.

Das Patrouillenboot NIEDERÖSTERREICH 604 entstand nach Schweizer Plänen der Maierform S.A. Genf in der Werft Korneuburg als Mehrzweckboot in Aluminiumbauweise, Baunummer 690, in den Jahren 1968-1970. Das Bundesheer übernahm das Schiff am 16.4.1970. Die ursprüngliche Forderung des Bundesheeres lautete auf 12 Einheiten zum Schutz aller damals gebauten Donaukraftwerke und neuer Brücken. Aus finanziellen Gründen folgte die Reduzierung auf neun Boote, die nach den Bundesländern benannt werden sollten. Schließlich waren es nur sechs Stück, die dafür aber vielseitigere Aufgaben erfüllen sollten: so entstand 

a. das militärische, mit Waffen ausgerüstete Einsatzboot, 

b. das Katastrophenboot mit einer zusätzlichen Brücke, Kränen sowie Schub- und Schleppmöglichkeit und 

c. das Reiseboot für repräsentative Politikerfahrten. Dies alles in einem. Nach dem Regierungswechsel 1970 wurde das weitere Ausbauprogramm gestoppt, obwohl sich die für das zweite Boot vorgesehene Bemannung bereits in Ausbildung befand. 

Boot im Hafen angeleint.

Einsatzgebiet Donau

Die NIEDERÖSTERREICH war in den folgenden Jahren auf der gesamten österreichischen Donau zwischen der BRD und der Slowakei mannigfaltig tätig. Nach der politischen Wende im Osten kam sie im Mai 1998 nach Bratislava und im August 1999 sogar bis nach Budapest. Am 1.8.2006 wurden nach Beschlüssen der BH-Reformkommission die Dienstflaggen der Patrouillenbootstaffel im Hafen Kuchelau das letzte Mal niedergeholt. Am 15.11.2006 erfolgte die Überstellung beider Schiffe zum Wiener Handelskai. Am folgenden Tag fand die offizielle Übergabe an das Heeresgeschichtliche Museum/Militärhistorisches Institut und in die Pflege der „Marinekameradschaft Admiral Erzherzog Franz Ferdinand“ statt.

Boot an der Hafenmauer angeleint.

Technische Daten:

Wasserverdrängungbetriebsbereit voll 73,06 t
Länge über Alles29,64 m
Breite über Alles5,41 m
Tiefgang1,10 m
Höhe über KWL mit ausgefahrenem Mast8,11 m, plus Antennen
Außenhautstärke 9-12 mm Aluminium
Panzerung mm VOEST Spezial-Stahl
Maschinewei 16 Zylinder Turbolader Diesel Mannheim AG mit je 44,32 Liter Hubraum
Geschwindigkeit41 km/h bei einem Verbrauch von 2 x 150 Liter Diesel pro Stunde
Bewaffnungeine 2 cm Maschinenkanone Oerlikon, Schussfolge 900/min, Einsatzschussweite für Flächenziele 2,3 km; ein überschweres MG 12,7 mm, Schussfolge 600/min, Einsatzschussweite für Flächenziele 1,5 km; zwei 7,62 mm MG; zwei Panzerabwehrrohre 8,4 cm, 8 Sturmgewehre, 8 Nebelgranatenwerfer.

Fahrtstrecke mit vollen Tanks:  9,3 t ökonomisch: 1700 km.

Bemannung: je nach Einsatz 9 bis 12 Mann. 10 Schlafkojen an Bord, Messe, Kombüse, WC.

Kontakt: 

Günter Cortnik:
camo@camo.co.at
+43 (0) 699 123 035 55

Markus Haider:
office@event-schifffahrt.at
+43 (0) 664 281 31 41

Besichtigungsmöglichkeiten:

5. Juni 2022

3. Juli 2022

7. August 2022

4. September 2022

2. Oktober 2022

09.00 Uhr und 12.00 Uhr

oder nach telefonischr Anmeldung unter: 

Günter Ctortnik
camo@camo.co.at
Mobil: +43 (0) 699 12303555

Kapitän Markus Haider
office@event-schifffahrt.at
Mobil: +43 (0) 664 2813141

Anfahrt:

Außenstelle Hafen Korneuburg, Werft