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Patrouillenbootstaffel Korneuburg / Alte Werft

Österreichische Marinegeschichte hautnah erleben!

Nach ihrer altersbedingten Außerdienststellung 2006 wurden die beiden größten Patrouillenboote des Österreichischen Bundesheeres NIEDERÖSTERREICH und OBERST BRECHT dem Heeresgeschichtlichen Museum/Militärhistorisches Institut für museale Zwecke übergeben. Da es sich um Einzelstücke handelt, haben sie für die Dokumentation der österreichischen Militärgeschichte aus den Jahren des Kalten Krieges vor 1989 eine besondere Bedeutung.

Weil die Erhaltung der Schiffe in ihrem natürlichen Element, dem Wasser, naheliegend war, wurden sie der aus praxisorientierten Schiffsliebhabern und Veteranen der Militär- sowie Zivilschifffahrt bestehenden „Marinekameradschaft Admiral Erzherzog Franz Ferdinand“ MKFF am 16.11.2006 zur musealen Betreuung übertragen. Neben der Pflege und Erhaltung der Boote im einsatzfähigen Zustand steht dabei die Präsentation in der Öffentlichkeit im Vordergrund. Der ursprüngliche Liegeplatz direkt unter der Reichsbrücke beim Schifffahrtszentrum am Wiener Handelskai musste im Frühjahr 2014 verlassen werden. Seit 28.03.2014 liegen die Boote an ihrem Entstehungsort, der alten DDSG-Werft in Korneuburg, zur Besichtigung bereit, fallweise auch mit den gesamten Innen-, Wohn- und Maschinenräumen.

Die seit 2004 bestehende und seit 12.05.2005 im Vereinsregister eingetragene „Marinekameradschaft Admiral Erzherzog Franz Ferdinand“, vom Bundesministerium für Landesverteidigung anerkannter wehrpolitischer Verein, ist an dieser Außenstelle des Heeresgeschichtlichen Museums tätig. Die Pflege der Schiffe und ihr Betrieb finanziert sie aus Mitgliedsbeiträgen sowie freiwilligen finanziellen und sachlichen Spenden.

Patrouillenboot OBERST BRECHT

Das Patrouillenboot OBERST BRECHT wurde als erstes neues Schiff des nach dem Abzug der Besatzungsmächte 1955 wieder entstandenen Bundesheeres in der Werft Korneuburg, Baunr. 553, in den Jahren 1957-1958 erbaut. Die an der Bordwand weit sichtbare Nummer 601 ist die Zulassungsnummer der Wiener Magistratsabteilung 58 (A 601). Die Bezeichnung 602 trug ein Notzusammenbau aus zwei alten Wehrmachtsbooten, die Nr. 603 blieb im Register leer, es wurde anscheinend für das vorgesehene Schwesterschiff der NIEDERÖSTERREICH, WIEN, reserviert. Die NIEDERÖSTERREICH bekam die Nr. 604; die folgenden Zahlen wurden der nach und nach sich aus den M 3- und M 80-Motorbooten erweiternden Bundesheer-Flottille zugeteilt. 

Oberst Friedrich Brecht-Labrès, * Innsbruck 11.12.1908, + Wien 10.4.1958, bestattet in Klosterneuburg-Kierling, war der Leiter des Pionierinspektorates und der Abteilung für Waffentechnik. Das nach ihm benannte, aus Stahl erbaute Boot wurde am 14.10.1958 vom Bundesheer übernommen und anschließend vielseitig eingesetzt: neben den üblichen Patrouillenfahrten auch zum Schieben von 25 t- und 50 t-Bundesheerfähren sowie als Schlepp- und Schulungsboot, zur Vermessung von Flussprofilen usw. 2003-2004 wurde das Boot durch das Kaderpersonal modernisiert und es bekam eine neue Silhouette mit einem Tarnanstrich.

Die technischen Daten:

Wasserverdrängung:betriebsbereit 10,83 t
Länge über Alles12,30 m
Breite über Alles2,51 m
Tiefgang0,80 m
Höhe über KWL mit Toplicht3,30 m, plus Antennen 1,90 m
Außenhaut aus Stahl4-6 mm
Geschwindigkeit27 km/h
Fahrtstrecke mit einer Tankfüllung 500 l300 km
Bewaffnung1 überschweres MG 12,7 mm, 1 Panzerabwehrrohr 8,4 cm, 4 Sturmgewehre, 2 Nebelgranatenwerfer
Bemannungje nach Einsatz 4 bis 6, die Matrosen waren gleichzeitig Schützen

Maschine: ursprünglich zwei Gräf & Stift 6-Zylinder Dieselmotoren mit je 8276 ccm. 1986 in Korneuburg durch zwei neue MAN Diesel gleicher Größe mit 2 x 145 PS bei 2200 U/min ersetzt. 2 Propeller mit 4 Flügeln und 70 cm Durchmesser, nach außen drehend. 

Patrouillenboot NIEDERÖSTERREICH

Das Patrouillenboot NIEDERÖSTERREICH 604 entstand nach Schweizer Plänen der Maierform S.A. Genf in der Werft Korneuburg als Mehrzweckboot in Aluminiumbauweise, Baunummer 690, in den Jahren 1968-1970. Vom Bundesheer übernommen wurde es am 16.4.1970. Die ursprüngliche Forderung des Bundesheeres lautete auf 12 Einheiten zum Schutz aller damals gebauten Donaukraftwerke und der neuer Brücken. Aus finanziellen Gründen folgte dann Reduzierung auf neun Boote, die nach den Bundesländern benannt werden sollten und schließlich auf sechs Stück, die dafür aber vielseitigere Aufgaben erfüllen sollten: so entstand 

a. das militärische, mit Waffen ausgerüstete Einsatzboot, 

b. das Katastrophenboot mit einer zusätzlichen Brücke, Kränen sowie Schub- und Schleppmöglichkeit und 

c. das Reiseboot für repräsentative Politikerfahrten, das alles in einem. Nach dem Regierungswechsel 1970 wurde das weitere Ausbauprogramm gestoppt, obwohl sich die für das zweite Boot vorgesehene Bemannung bereits in Ausbildung befand. 

Die NIEDERÖSTERREICH war in den folgenden Jahren auf der gesamten österreichischen Donau zwischen der BRD und der Slowakei manigfaltig tätig. Nach der politischen Wende im Osten kam sie im Mai 1998 nach Bratislava und im August 1999 sogar bis nach Budapest. Am 1.8.2006 wurden nach Beschlüssen der BH-Reformkommission die Dienstflaggen der Patrouillenbootstaffel im Hafen Kuchelau das letzte Mal niedergeholt. Am 15.11.2006 Überstellung beider Schiffe zum Wiener Handelskai. Am folgenden Tag fand die offizielle Übergabe an das Heeresgeschichtliche Museum / Militärhistorisches Institut und in die Pflege der „Marinekameradschaft Admiral Erzherzog Franz Ferdinand“ statt.

Technische Daten:

Wasserverdrängungbetriebsbereit voll 73,06 t
Länge über Alles29,64 m
Breite über Alles5,41 m
Tiefgang1,10 m
Höhe über KWL mit ausgefahrenem Mast8,11 m, plus Antennen
Außenhautstärke 9-12 mm Aluminium
Panzerung mm VOEST Spezial-Stahl
Maschinewei 16 Zylinder Turbolader Diesel Mannheim AG mit je 44,32 Liter Hubraum
Geschwindigkeit41 km/h bei einem Verbrauch von 2 x 150 Liter Diesel pro Stunde
Bewaffnungeine 2 cm Maschinenkanone Oerlikon, Schußfolge 900/min, Einsatzschußweite für Flächenziele 2,3 km; ein überschweres MG 12,7 mm, Schußfolge 600/min, Einsatzschußweite für Flächenziele 1,5 km; zwei 7,62 mm MG; zwei Panzerabwehrrohre 8,4 cm, 8 Sturmgewehre, 8 Nebelgranatenwerfer.

Fahrtstrecke mit vollen Tanks:  9,3 t ökonomisch: 1700 km.

Bemannung: je nach Einsatz 9 bis 12 Mann. 10 Schlafkojen an Bord, Messe, Kombüse, WC.

Kontakt: 

Günter Cortnik:

camo@camo.co.at

0043/699 12303555

Markus Haider:

office@event-schifffahrt.at

0043/664 2813141

Besichtigungsmöglichkeiten:

Am ersten Sonntag im Monat zwischen 10.00-12.00 Uhr

Anfahrt:

Außenstelle Hafen Korneuburg, Werft