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Republik und Diktatur – Österreich 1918 bis 1945
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Noch bevor der Waffenstillstand den Krieg beendete, hatte sich für die deutschsprachigen Bewohner der Habsburgermonarchie ein Nationalrat formiert, der am 30. Oktober 1918 für das deutschsprachige Gebiet eine erste Staatsregierung berief.

Die anderen Nachfolgestaaten lehnten einen neuerlichen Zusammenschluss in einem Staatenbund ab. Daher wurde am 12. November 1918 nicht nur der zunächst „Deutschösterreich“ genannte Staat zur Republik erklärt, sondern gleichzeitig auch der Wille bekundet, Deutschland beitreten zu wollen. Dieser Anschluss Österreichs an Deutschland wurde jedoch von den Alliierten im Friedensvertrag von St. Germain verboten.

Eine Zeitlang musste auch um die Grenzen des neuen Staates gekämpft werden. Die Südgrenze Kärntens und die Angliederung des Burgenlandes waren besonders strittig. 

Außerordentlich schwierig war auch die Schaffung einer soliden wirtschaftlichen Grundlage.

Demonstrationen und Justizpalastbrand

Drei Vitrinen mit Uniformen und Waffen.

Teil der Ausstellung über die Erste Republik

Die politischen Kräfte in Österreich standen sich misstrauisch gegenüber. Die politische Kultur wurde zunehmend von Gewalt geprägt, und es entstanden mehrere rivalisierende paramilitärische Verbände:

  • die dem bürgerlichen Lager zugerechneten Heimwehrverbände,
  • der Republikanische Schutzbund der Sozialdemokratischen Partei,
  • die Frontkämpfervereinigung,
  • die Ostmärkischen Sturmscharen,
  • der Freiheitsbund und
  • die paramilitärischen Formationen der Nationalsozialisten.

Die Wehrverbände übertrafen zeitweilig die Kräfte des Bundesheeres um ein Vielfaches.

Bei einem Aufeinandertreffen von Sozialdemokraten und Frontkämpfervereinigung im burgenländischen Schattendorf eskaliert die Situation, woraufhin zwei Tote zu beklagen waren. Die Täter freigesprochen - daraufhin kam es zu Demonstrationen, bei denen der Justizpalast in Brand gesetzt wurde.

Der auf die Demonstrationen folgende Polizeieinsatz forderte 84 Tote. 

Bürgerkrieg in Österreich

Ab 1927 herrschten bürgerkriegsähnliche Zustände im Land.

1933 nutzte Bundeskanzler Engelbert Dollfuß (1892-1934) eine Geschäftsordnungskrise im Parlament, um dieses auszuschalten und ein autoritäres Regime („Austrofaschismus“) zu errichten – das Regime des sogenannten „Austrofaschismus“, unter dem die Verfassung aufgehoben wurde.

Zum offenen Bürgerkrieg kam es im Februar 1934 mit einem Aufstand des Schutzbundes. Im Juli 1934 wurde Bundeskanzler durch Nationalsozialisten ermordet. In Wien und Niederösterreich fanden ausgedehnte Kampfhandlungen statt.

International lehnte sich Österreich zunächst eng an das faschistische Italien an, war nach dessen Annäherung an NS-Deutschland aber zunehmend isoliert. 

Die Annexion Österreichs

Trotz weitreichender österreichischer Zugeständnisse hielt Adolf Hitler (1889-1945) im Berchtesgadener Abkommen (12. Februar 1938) an einer Annexion Österreichs fest. Bundeskanzler Kurt Schuschnigg (1897-1977) setzte daraufhin für den 13. März 1938 eine Volksbefragung über die Unabhängigkeit Österreichs an.

Hitler reagierte auf diese Unabhängigkeitsbestrebung mit dem Befehl zum militärischen Einmarsch in Österreich und dem gewaltsamen Anschluss des Landes an das Deutsche Reich. 

Nationalsozialistisches Regime und Zweiter Weltkrieg

Die nationalsozialistische Diktatur führte in Österreich zu einem Elitenwechsel, zwangsweiser Emigration und Verfolgung, und machte das Land in kürzester Zeit kriegsbereit.

Der Angriff auf Polen

Der Angriff des Deutschen Reiches auf Polen am 1. September 1939 löste den Zweiten Weltkrieg aus.

Rund 1,2 Millionen aus Österreich stammende Soldaten gehörten im Verlauf des Krieges der Wehrmacht oder Waffen-SS, aber auch den alliierten Truppen, an. Sie fanden sich an allen Fronten, wobei von der verlustreichen Schlacht um Stalingrad besonders Österreich betroffen war.

Während des gesamten Krieges fielen rund 250.000 österreichische Soldaten oder blieben dauernd vermisst.

Ab 1943 wurde das nun als „Alpen- und Donaureichsgaue“ bezeichnete Österreich Schauplatz des Luftkrieges und des Partisanenkrieges. Letzterer wurde vor allem von Jugoslawien aus geführt.

Verfolgung von ausgegrenzten Gruppen

Währenddessen erreichte die Verfolgung von ausgegrenzten Gruppen – darunter Jüd*innen, Roma und Sinti, Homosexuelle und behinderte Menschen – und von Gegnern des nationalsozialistischen Regimes ihren Höhepunkt. Auch Tausende Österreicher*innen fielen der Verfolgung zum Opfer.

Der Holocaust - die von den Nationalsozialisten betriebene Auslöschung der europäischen Juden - führte zur Ermordung von rund 66.000 österreichischer Angehöriger des jüdischen Glaubens. Zugleich waren Österreicher*innen und Deutsche an den von der NSDAP und der Wehrmacht verübten Verbrechen im Deutschen Reich und den besetzten Gebieten beteiligt.

Gründung der Zweiten Republik

Ein allmählich erstarkender Widerstand – auch innerhalb des Militärs – führte am 20. Juli 1944 zu dem Versuch, Adolf Hitler zu töten und das NS-Regime zu stürzen.

Das Land blieb trotz des Widerstands weiterhin in die politischen und militärischen Strukturen des Deutschen Reiches eingebunden. Es erlebte von März bis Mai 1945 den Krieg auf eigenem Boden und schließlich seine Befreiung durch die Alliierten.

Sowjetische, amerikanische, britische und französische Truppen besetzten daraufhin Österreich.

Während des gesamten Zeitraumes nationalsozialistischer Herrschaft wurden beinahe 100.000 Österreicher*innen aufgrund der NS-Verfolgung getötet. Es wurden etwa 24.000 österreichische Zivilist*innen aufgrund des Luftkrieges und der Kampfhandlungen auf österreichischem Boden getötet.

Mitte April 1945 (noch vor Kriegsende) gelang es Karl Renner (1870-1950), eine neue österreichische Regierung zu bilden, die am 27. April 1945 die Unabhängigkeit des Landes proklamierte und damit die Zweite Republik begründete.

Blick aus einem Jeep auf die Fahnen von Frankreich, USA, der Sowjetunion und dem Vereinigten Königreich auf der Motorhaube

"Die Vier im Jeep"