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Seemacht Österreich

Blick in die Marineausstellung

Nachdem bis 1918 im ehemaligen österreichisch-ungarischen Kriegshafen Pola ein eigenes Marinemuseum bestanden hatte, war die k. (u.) k. Kriegsmarine ursprünglich kaum in den Ausstellungen des früheren Heeresmuseums repräsentiert. Erst im Zuge des auf den Zweiten Weltkrieg folgenden Wiederaufbaues des Museums konnte für diesen nicht unwesentlichen Teil österreichischer Militärgeschichte ein eigener Ausstellungsbereich geschaffen werden, der mittlerweile zu den Herzstücken der Dauerausstellung zählt.

16. und 17. Jahrhundert über Kriegsschiffe, doch dienten diese in erster Linie dem Küstenschutz und dem Einsatz auf der Donau. Die Flussstreitkräfte erreichten dabei eine beträchtliche Stärke. Erst mit der Besetzung Venedigs infolge des Friedens von Campo Formio (1797) erhielt Österreich eine maßgebliche Kriegsmarine. Ihr Haupthafen war während der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Venedig, doch dann wurden Pola und Cattaro zu großen Kriegshäfen ausgebaut und dienten bis zum Ende der Monarchie als Flottenbasen. An Bedeutung gewann die Marine für die Außen-und Sicherheitspolitik der Habsburgermonarchie erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Zusammenhang mit dem Entstehen eines italienischen Nationalstaates. Die Beteiligung der Marine am Deutsch-Dänischen Krieg und am Krieg von 1866 machte ihr Potenzial deutlich und der Seesieg Wilhelm von Tegetthoffs bei Lissa (1866) über die italienische Flotte hob ihr Ansehen. Neben den großartigen Galionsfiguren und Schiffsmodellen sowie den einzigen erhalten gebliebenen Ballon-Abwurfbomben (System Uchatius), die 1849 bei der Belagerung Venedigs zum Einsatz gekommen waren, finden sich zu diesem Abschnitt der Marinegeschichte Erinnerungsstücke an die meisten Flottenkommandanten und Darstellungen der österreichischen Flottenpräsenz.

Wie mehrere Exponate der Marineausstellung verdeutlichen, war die österreichische Flotte jedoch nicht nur ein militärisches Machtmittel, sondern auch ein Instrument der Forschung. So wurden die Expeditionen der österreichischen Kriegsmarine dazu genutzt, die Ausbildung der Mannschaft zu vertiefen und auf den Weltmeeren „Flagge zu zeigen“, sie dienten daneben aber auch der Gewinnung wissenschaftlicher Erkenntnisse. In diesem Zusammenhang erinnern das Modell der Segelfregatte „Novara“ sowie Zeichnungen und Aquarelle von Joseph Selleny an die erste Weltumsegelung eines österreichischen Kriegsschiffes in den Jahren 1857 bis 1859. Mit Bildern, Uniform- und Ausrüstungsstücken sowie verschiedenen Auszeichnungen wird hier auch des Initiators dieser Reise, des Marinekommandanten Konteradmiral Erzherzog Ferdinand Maximilian, gedacht. Zu den nicht-militärischen maritimen Unternehmungen, die in der Ausstellung repräsentiert sind, zählt auch die berühmte österreichisch-ungarische Nordpolexpedition der Jahre 1872 bis 1874, der die Entdeckung der Inselgruppe Franz Joseph-Land zu verdanken ist.

Turm des österreichisch-ungarischen Unterseebootes U-20.

Unter den Marinekommandanten Hermann Freiherrn von Spaun (1833 – 1919), Rudolf Graf Montecuccoli (1843 – 1922) und Anton Haus (1851 – 1917) wurde die Flotte Österreich-Ungarns modernisiert und in ihrer Schlagkraft beträchtlich gestärkt. So wie Erzherzog Ferdinand Maximilian Mitte des 19. Jahrhunderts um den Ausbau der Flotte bemüht gewesen war, wurde in den letzten Jahren der Habsburgermonarchie der Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand zu einem bedeutenden Förderer der Flotte. In jener „Zeit des Imperialismus“ galten Kriegsmarinen nicht nur als ein Mittel der militärischen Machtprojektion, sondern auch als ein Instrument zur Unterstützung von Handel und Industrie, vor allem aber als Verkörperung des eigenen Großmachtstatus. Vor diesem Hintergrund konnten nun auch in Österreich-Ungarn zahlreiche Neubauten durchgesetzt werden. Die besonderen technischen Entwicklungen und der Bau der Großkampfschiffe vor dem Ersten Weltkrieg werden mit einzigartigen Originalstücken und Modellen belegt. Darunter nimmt sicherlich das Schnittmodell des letzten österreichisch-ungarischen Flotten-Flaggenschiffes „Viribus Unitis“ einen besonderen Platz ein.

Während des Ersten Weltkrieges war die k. u. k. Kriegsmarine vor allem mit dem Schutz der dalmatinischen Küste beschäftigt. Ihr Operationsgebiet blieb aufgrund der durch die Alliierten bei Otranto errichteten Blockade auf die Adria beschränkt. Getragen wurde die Seekriegführung in der Adria aber nicht so sehr von den stark gepanzerten Schlachtschiffen, sondern vor allem von den kleineren Einheiten – Zerstörern, Torpedo- und U-Booten. Sie hielten zusammen mit den Seefliegern die Küstengewässer und Versorgungswege über die Adria feindfrei. Auf die im Krieg beträchtlich gestiegene Bedeutung der U-Boote, die auch als einzige jenseits der Straße von Otranto operierten, verweist in der Ausstellung unter anderem der Turm des in der nördlichen Adria gesunkenen österreichisch-ungarischen Unterseebootes U 20, der 1962 gehoben wurde. Gleichsam symbolisiert dieses Exponat aber auch das Ende der k. u. k. Kriegsmarine. Mit dem Zerfall Österreich-Ungarns im Herbst 1918 wurden die Schiffe der ehemaligen k. u. k. Kriegsmarine auf die Nachfolge- und Siegerstaaten aufgeteilt, womit die Geschichte der österreichischen Seemacht ihren Abschluss fand.