Zeit der Monster
Das Heeresgeschichtliche Museum lädt ab 7. Mai im Rahmen einer 12-teiligen Veranstaltungsserie zur "Lagebesprechung in einer bedrohten Gegenwart". Mit nationalen und internationalen Expert:innen aus Wissenschaft, Kultur, Militär, Zivilgesellschaft, Politik und Medien werden in diesem innovativen Format aktuelle Bedrohungen für Demokratie, Rechtsstaat und das friedliche Zusammenleben diskutiert. In performativen Gesprächen werden Krisen, Risiken und Handlungsmöglichkeiten analysiert und Lehren aus der Vergangenheit gezogen. Zugleich wird die Frage gestellt, wie man die erlangten Erkenntnisse in einem militärhistorischen Museum des 21. Jahrhunderts direkt umsetzen kann.
"Wenn das Alte stirbt und das Neue nicht zur Welt kommen kann, beginnt die Zeit der Monster", schrieb der italienische Philosoph Antonio Gramsci 1930. Ein Jahrhundert später scheint der berühmte düstere Befund erneut aktuell. Polarisierung und gesellschaftliche Spannungen nehmen zu, demokratische Institutionen geraten unter Druck, geopolitische Konflikte eskalieren. Zeit zusammenzukommen, zu beratschlagen und zu diskutieren.
4 Kapitel, 12 Termine - Analysen aus einem provisorischen “War Room”
Die Veranstaltungsreihe besteht aus vier Kapiteln, wobei jedes Kapitel drei Veranstaltungen umfasst. Jede Veranstaltung beginnt mit einer Lagebesprechung, im Rahmen derer Expert:innen aus verschiedensten Fachbereichen Entwicklungen einordnen. Die eingebrachten Perspektiven werden sicherheitspolitisch eingeordnet und anschließend von einer Museumskommission in die Museumsarbeit übersetzt. Die Veranstaltungen werden aufgezeichnet und die Videodokumentationen für die Vermittlungsarbeit, aber auch für die Bildungsarbeit des Heeresgeschichtlichen Museums herangezogen.
Die Reihe wird vom Wiener Kurator Alexander Martos programmiert. Die Veranstaltungen finden unter Einbeziehung militäranalytischer Expertise des Bundesministeriums für Landesverteidigung statt.
© HGM / Astrid Feldner
KAPITEL 1 – KAMPF UM DIE DEMOKRATIE
Lage #01, 7.5.2026, 18 Uhr
ENTHEMMUNG. Wie Polarisierung und Propaganda den Weg zur Gewalt ebnen
Demokratien sterben nicht über Nacht. Ihrem Zerfall gehen Prozesse der Radikalisierung voraus: Kulturkämpfe, propagandistische Mobilisierung und das Mainstreaming extremistischer Subkulturen verschieben die Grenzen des Sagbaren – und bald schon des Machbaren. Digitale Öffentlichkeiten beschleunigen die Dynamik, die Gewalt nimmt zu. Zum Auftakt der neuen Reihe untersucht die erste Lagebesprechung, wie weit die Enthemmung vorangeschritten ist und welche Handlungsmöglichkeiten bleiben.
LAGEBESPRECHUNG: Florian Bieber (Prof. für Südosteuropäische Geschichte und Politik, Uni Graz) • Ingrid Brodnig (Journalistin und Publizistin) • Andreas Kranebitter (Wissenschaftlicher Leiter des Dokumentationsarchives des österreichischen Widerstandes)
MUSEUMSKOMMISSION: Georg Hoffmann (Direktor HGM) • Bettina Habsburg-Lothringen (Museum Joanneum) - weitere Expert:innen angefragt
Eintritt frei nach Anmeldung unter www.hgm.at/events.
Lage #02, 28.5.2026, 18 Uhr
ANGRIFF. Playbooks und Technologien der Machtübernahme
Autoritäre Allianzen folgen heute keinem Drehbuch des Putsches. Sie nutzen strategische „Playbooks“, internationale Netzwerke und digitale Technologien, um das demokratische System und seine Institutionen von innen zu destabilisieren. Von ideologischen Thinktanks über radikale Ideenwelten, bis zur Aushöhlung staatlicher Souveränität durch feindliche Akteure: Die Lagebesprechung untersucht, wie Angriffe auf die Demokratie und der Griff nach der Macht organisiert werden.
Aktuelle Informationen zu den geladenen Expert:innen werden auf www.hgm.at/zeitdermonster laufend ergänzt.
Eintritt frei nach Anmeldung unter www.hgm.at/events.
Lage #03, 18.6.2026, 18 Uhr
AUSSCHALTUNG. Die autoritäre Wende und die entfesselte Macht
Nach dem autoritären Takeover beginnt der Umbau des Staates. Erste Gruppen verlieren grundlegende Rechte, freie Medien und unabhängige Justiz werden delegitimiert oder unter Kontrolle gebracht. Schritt für Schritt verschiebt sich das ausbalancierte System von Demokratie und Rechtsstaat in Richtung Autoritarismus – zugleich formiert sich Widerstand. Die Lagebesprechung zieht historische Parallelen, analysiert autoritäre Praktiken und lotet Strategien, Taktiken und Organisationsformen aus, um demokratische Handlungsspielräume zu sichern.
Aktuelle Informationen zu den geladenen Expert:innen werden auf www.hgm.at/zeitdermonster laufend ergänzt.
Eintritt frei nach Anmeldung unter www.hgm.at/events.
KAPITEL 2 – POWER GAMES. GEFÄHRLICHE MACHTSPIELE (September und Oktober 2026)
Von Ende einer globalen Ordnung und der Rückkehr imperialer Politik zur Krise des Westens?
KAPITEL 3 – KRIEG UND ÖKONOMIE (Oktober und November 2026)
Von Markt und Macht zu Wirtschaftskriegen und Kriegswirtschaften?
KAPITEL 4 – FLÄCHENBRAND (November und Dezember 2026)
Von neuen Kriegen und seinen Technologien zum Flächenbrand der Petromoderne und ihren Gegenbewegungen?