Zeit der Monster
Lagebesprechungen in einer bedrohten Gegenwart. Die neue 12-teilige Veranstaltungsreihe startet am 7. Mai im HGM.
Mit der Reihe „Zeit der Monster“ lädt das Heeresgeschichtliche Museum ab 7. Mai 2026 zu einem neuen Diskursformat ein. Nationale und internationale Expert:innen aus Wissenschaft, Kultur, Militär, Zivilgesellschaft, Politik und Medien kommen zusammen, um aktuelle Bedrohungen für Demokratie, Rechtsstaat und das friedliche Zusammenleben zu analysieren und zu diskutieren.
Im Zentrum stehen performative Gespräche, die Krisen und Risiken sichtbar machen, Handlungsmöglichkeiten aufzeigen und historische Perspektiven einbeziehen. Gleichzeitig wird gefragt, wie sich diese Erkenntnisse konkret in die Arbeit eines militärhistorischen Museums im 21. Jahrhundert übersetzen lassen.
Die Reihe gliedert sich in vier Kapitel mit jeweils drei Terminen. Jede Veranstaltung beginnt mit einer „Lagebesprechung“, in der unterschiedliche Perspektiven zusammengeführt und sicherheitspolitisch eingeordnet werden. Eine Museumskommission greift diese Impulse auf und überträgt sie in die Museumsarbeit. Die Gespräche werden aufgezeichnet und für Bildungs- und Vermittlungsformate des HGM weiterverwendet.
KAPITEL 1 – KAMPF UM DIE DEMOKRATIE
7. Mai 2026, 18 Uhr
Lage #01 ENTHEMMUNG. Wie Polarisierung und Propaganda den Weg zur Gewalt ebnen
Demokratien sterben nicht über Nacht. Ihrem Zerfall gehen Prozesse der Radikalisierung voraus: Kulturkämpfe, propagandistische Mobilisierung und das Mainstreaming extremistischer Subkulturen verschieben die Grenzen des Sagbaren – und bald schon des Machbaren. Digitale Öffentlichkeiten beschleunigen die Dynamik, die Gewalt nimmt zu. Zum Auftakt der neuen Reihe untersucht die erste Lagebesprechung, wie weit die Enthemmung vorangeschritten ist und welche Handlungsmöglichkeiten bleiben.
LAGEBESPRECHUNG: Florian Bieber (Prof. für Südosteuropäische Geschichte und Politik, Uni Graz) • Ingrid Brodnig (Journalistin und Publizistin) • Andreas Kranebitter (Wissenschaftlicher Leiter des Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes)
MUSEUMSKOMMISSION: Georg Hoffmann (Direktor HGM) • Bettina Habsburg-Lothringen (Museum Joanneum)
28. Mai 2026, 18 Uhr
Lage #02 ANGRIFF. Playbooks und Technologien der Machtübernahme
Autoritäre Allianzen folgen heute keinem Drehbuch des Putsches. Sie nutzen strategische „Playbooks“, internationale Netzwerke und digitale Technologien, um das demokratische System und seine Institutionen von innen zu destabilisieren. Von ideologischen Thinktanks über radikale Ideenwelten, bis zur Aushöhlung staatlicher Souveränität durch feindliche Akteure: Die Lagebesprechung untersucht, wie Angriffe auf die Demokratie und der Griff nach der Macht organisiert werden.
18. Juni 2026, 18 Uhr
Lage #03 AUSSCHALTUNG. Die autoritäre Wende und die entfesselte Macht
Nach dem autoritären Takeover beginnt der Umbau des Staates. Erste Gruppen verlieren grundlegende Rechte, freie Medien und unabhängige Justiz werden delegitimiert oder unter Kontrolle gebracht. Schritt für Schritt verschiebt sich das ausbalancierte System von Demokratie und Rechtsstaat in Richtung Autoritarismus – zugleich formiert sich Widerstand. Die Lagebesprechung zieht historische Parallelen, analysiert autoritäre Praktiken und lotet Strategien, Taktiken und Organisationsformen aus, um demokratische Handlungsspielräume zu sichern.
Aktuelle Informationen zu den Expert:innen: www.hgm.at/zeitdermonster
Eintritt frei nach Anmeldung: www.hgm.at/events
@ HGM/ Grafik: Astrid Feldner, Sujets: Niki Hermkes