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Objekte. Schicksale. Erinnerung.

Objekte. Schicksale. Erinnerung.

Persönliche Erinnerungen, bewegende Schicksale - Objekte erzählen von Gewalt und ihren Folgen.


Welche Geschichten verbergen sich hinter den Objekten einer Ausstellung?

Mit unserer neuen Beitragsreihe „Objekte. Schicksale. Erinnerung.“ blicken wir diesen Sommer Woche für Woche in die Vitrinen der neuen Ausstellung „Gewalt — Gesellschaft. Österreich im Zeitalter der Weltkriege 1918 bis 1955“.  Interne und externe Mitarbeitende an der Austellung präsentieren ihre persönlichen Lieblingsobjekte und erzählen, warum sie diese besonders bewegen.

Den Auftakt macht Museumsdirektor Georg Hoffmann mit einem Objekt, das auf den ersten Blick unscheinbar erscheint: die Pfeife des ehemaligen k.u.k. Offiziers, Rechtsanwalts und Sammlers Hanns Fischl  (1883–1945). Ihre Geschichte führt von Verfolgung und Enteignung während der NS-Zeit über Provenienzforschung und Restitution bis zum verantwortungsvollen Umgang mit der eigenen Museumsgeschichte.

Warum haben Sie dieses Objekt als Ihr Lieblingsobjekt ausgewählt?
Weil diese Pfeife auf den ersten Blick unscheinbar ist – und doch eine ganze Gewaltgeschichte in sich trägt. Sie gehörte Hanns Fischl: ehemaliger k.u.k. Offizier, Rechtsanwalt, Sammler, als Jude verfolgt, enteignet, deportiert und 1945 auf einem Todesmarsch ermordet.

Welche Geschichte erzählt dieses Objekt?
Die Pfeife trägt die Aufschrift „Erinnerung an meine Dienstzeit“ – ein persönliches Andenken an Fischls militärische Vergangenheit in der Donaumonarchie. Bereits 1943 gelangte sie ins Heeresmuseum: nicht als freie Schenkung, sondern als nationalsozialistisches Raubgut. 2021 wurde sie restituiert und danach für das Museum zurückerworben – nun nicht mehr als bloßes Objekt, sondern als sichtbare Spur von Enteignung, Verlust und Verantwortung.

Welche Bedeutung hat dieses Objekt für die Ausstellung „Gewalt — Gesellschaft“?
Es zeigt, dass Gewalt nicht erst mit der Deportation beginnt. Sie beginnt mit Entrechtung, Berufsverbot, Enteignung und Beraubung. An dieser Pfeife wird sichtbar, wie tief Gewalt in Biografien, Eigentum, Institutionen und Sammlungen eingreift.

Was möchten Sie Besucher:innen vermitteln?
Diese Pfeife ist kein bloßes Sammlungsstück. Sie ist eine Spur eines verfolgten und ermordeten Menschen – und zugleich ein Auftrag an das Museum. Wir müssen nicht nur Objekte zeigen, sondern auch offenlegen, wie sie zu uns gekommen sind und welche Verantwortung daraus entsteht.

Die Geschichte des Objekts endet nicht mit dem Zweiten Weltkrieg. Sie steht heute nicht nur für Erinnerung, sondern auch für den verantwortungsvollen Umgang mit der eigenen Museumsgeschichte. Manchmal genügt ein kleiner Alltagsgegenstand, um die Geschichte eines Menschen, die Mechanismen von Gewalt und die Verantwortung eines Museums sichtbar zu machen. Wer die Pfeife des Hanns Fischl betrachtet, entdeckt weit mehr als ein historisches Erinnerungsstück. Sie ist eines von zahlreichen Objekten der Ausstellung „Gewalt — Gesellschaft. Österreich im Zeitalter der Weltkriege 1918 bis 1955“, die Geschichte auch mit einem Fokus auf persönliche Schicksale erzählt. Die Ausstellung beleuchtet Gewalterfahrungen, Militarisierung und Militanz in Österreich zwischen 1918 und 1955 und zeigt, wie Gewalt weit über das Ende des Zweiten Weltkriegs hinaus nachwirkte. Mit eindrucksvollen Objekten lädt sie dazu ein, über die Rolle des Militärs, gesellschaftliche Verantwortung und den Umgang mit Vergangenheit und Erinnerung nachzudenken.

© HGM / Öffentlichkeitsarbeit JB

Stummelpfeifenkopf von Hanns Fischl (1883–1945)  Die Pfeife trägt die Aufschrift „Erinnerung an meine Dienstzeit“ und zeigt die Abbildung des Kaiserehepaars Karl I und Zita. Um 1917/1918, Porzellan, Inventarnummer: HGM, 1943/28/NI17795. Ankauf nach Restitution aus Privatbesitz.

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