Hinter den Museumsmauern II
Radio trifft Museum - das HGM öffnete seine Türen für einen Thementag bei Radio Klassik Stephansdom.
„Hinter den Museumsmauern – Das HGM im Radio“
Gemeinsam mit Radio Klassik Stephansdom entstand ein Thementag unter dem Motto „Hinter den Museumsmauern“: Ein ganzer Tag im Zeichen des Museums, seiner Menschen und Geschichten. Diese Kooperation ist der Ausgangspunkt für unsere neue Newsreihe: Wir möchten zeigen, wie viel im HGM derzeit in Bewegung ist – von der Neuaufstellung diverser Sammlungsbereiche über die spannende Arbeit der Kulturvermittlung bis hin zu den Restaurator:innen, die Schätze der Vergangenheit für die Zukunft bewahren. In den kommenden Wochen stellen wir Menschen vor, die das HGM prägen, geben Einblicke in Forschung und Vermittlung und erzählen Geschichten von der Arbeit hinter den Kulissen eines Museums im Wandel.
Im zweiten Beitrag der Reihe spricht Direktor Georg Hoffmann, der seit über zwei Jahren das HGM leitet und den Weg in die Zukunft zeichnet.
Faszination mit vielen Schichten und perspektiven
Ein Lieblingsobjekt? Für Georg Hoffmann sind es Stücke, die mehr als nur einen Blickwinkel zulassen. „Mich faszinieren Objekte, die mehrere Perspektiven eröffnen“, erklärt er. Der L’Entrepied-Ballon – der älteste erhaltene militärisch genutzte Ballon weltweit, 1796 von österreichischen Truppen erbeutet – ist dafür ein Beispiel. Er verweist nicht nur auf ein einzelnes Ereignis, sondern auf die Pionierzeit der Luftfahrt und deren Nachwirkungen in Kunst und Architektur des Museums.Doch Hoffmann geht es um mehr als die Faszination: „Wir müssen fragen, wie Kriegsbeute ins Museum kommt, welche Rolle sie heute spielt und welche Feindbilder damit transportiert werden.“ Themen wie Provenienzforschung und Gegenwartsbezug rücken so in den Vordergrund. Das HGM entstand Ende des 19. Jahrhunderts aus historischen Waffen- und Arsenalbeständen. Heute geht es darum, den Blick zu weiten: „Krieg ist ein Gesellschaftszustand. Wir wollen auch den Alltag der kleinen Leute sichtbar machen, nicht nur die Perspektive der Feldherren.“
Forschung, Vermittlung und Diskussion
Mit einer neuen Forschungsabteilung, Kooperationen mit Universitäten und Institutionen sowie großen Konferenzen – etwa zu Kriegsendverbrechen oder den Nordischen Kriegen – baut das HGM seine Rolle als wissenschaftlicher Partner aus. Auch in der Vermittlung setzt man auf neue Formate: „Es geht nicht darum, Objekte nur als Faszination zu zeigen, sondern ihre tieferen Schichtungen und menschlichen Geschichten zu entdecken.“
Gegenwart und Verantwortung
Aktuelle Konflikte zeigen, wie präsent Geschichte bleibt. „Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine macht deutlich, wie historische Narrative weiterwirken – und welche Verantwortung Museen haben, diese einzuordnen.“ Das HGM soll Diskussionen anstoßen, irritieren, zum Nachdenken bewegen und demokratische Werte reflektieren.
Wandel und Blick nach vorne
Seit 2023 wurde das Haus organisatorisch und räumlich erneuert: von der Sanierung der Depots über neue Arbeitsplätze bis hin zur Modernisierung der Ausstellungsräume. „Wir haben das HGM aus der Isolation geführt, geöffnet und diskutierbar gemacht“, so Hoffmann. Die Pläne sind ambitioniert: In Zukunft sollen die Ausstellungen bis in die Gegenwart reichen – vom Zweiten Weltkrieg über die Zweite Republik bis hin zu aktuellen Konflikten. Ziel ist es, Geschichte und Gegenwart zu verbinden und das Museum als Ort der Erinnerung, der Diskussion und der gesellschaftlichen Reflexion zu verankern.
Der Beitrag kann hier nachgehört werden:
Direktor Georg Hoffmann: Weiterentwicklung
© HGM/ Öffentlichkeitsarbeit SP, HBF/ Ronja Klima, Holger R. Weimann, HGM/ Archiv