Fresken im Fokus: Leopold weist die Kaiserkrone zurück
Schau doch mal nach oben! Markgraf Leopold III., der Heilige, weist die Kaiserkrone zurück.
Der nächste Beitrag unserer Reihe „Fresken im Fokus“ von Carl Ritter von Blaas (Genre- und Historienmaler, 1815–1894) richtet den Blick wieder nach oben: Auf dem Fresko in der Ruhmeshalle zeigt sich ein prägender Moment der Geschichte.
Markgraf Leopold III., der Heilige (1095–1136), kniet vor Erzbischof Adalbert von Mainz, welcher mit beiden Händen auf die vor ihm liegenden Reichsinsignien deutet, und weist die Kaiserkrone zurück. Mit der einen Hand lehnt er die Krone ab und mit der anderen deutet er auf Lothar von Sachsen-Supplinburg. Um ihn herum stehen die geistlichen und weltlichen Fürsten des Reiches – Zeugen eines Moments, in dem Bescheidenheit und politische Klugheit zusammenkommen.
Hintergrund dieser Szene ist der Investiturstreit (1075–1122), der Konflikt zwischen weltlicher und geistlicher Macht um die Einsetzung von Bischöfen und Äbten. In dieser Zeit gewannen Landesherren zunehmend Einfluss und entwickelten sich zusammen mit den geistlichen Fürsten zu mächtigen Territorialfürsten. Leopold III. gehörte zu jenen Fürsten, die sich geschickt aus parteipolitischen Auseinandersetzungen heraushielten. Dank dieser klugen Haltung konnte er bedeutende Machtgewinne erzielen und sich über seine markgräfliche Würde hinaus als angesehener Fürst etablieren – fast auf Augenhöhe mit den Herzögen des Reiches.
Nach dem Tod seines Schwagers, Kaiser Heinrich V., der ohne männlichen Erben verstarb, standen 1125 drei Kandidaten für die Königswahl in Mainz bereit: Leopold selbst, sein Stiefsohn Herzog Friedrich von Schwaben, der gleichzeitig Neffe des verstorbenen Kaisers war, und Herzog Lothar von Sachsen-Supplinburg, der die kirchliche Partei vertrat. Leopold lehnte die Wahl dreimal zugunsten von Lothar von Sachsen ab, versprach jedoch Gehorsam gegenüber dem künftigen König. Als Gründe nannte er offiziell sein hohes Alter (50 Jahre), seine zahlreichen männlichen Nachkommen, die zu Thronstreitigkeiten führen könnten, sowie seine begrenzten politischen Mittel, die ihn daran hinderten, erfolgreich als König zu bestehen.
Das Fresko von Carl Ritter von Blaas und Albert Jäger (Historiker und Maler, 1833–1902) dokumentiert bewusst die Größe und Bescheidenheit Leopolds: ein Fürst, der Macht und Klugheit verstand und dessen Entscheidungen die politische Landschaft des Reiches nachhaltig prägten.
Schau doch mal nach oben beim nächsten Museumsbesuch und entdecke selbst die beeindruckenden Fresken in der Ruhmeshalle.
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