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Fresken im Fokus: Die Erstürmung von Melk

Fresken im Fokus: Die Erstürmung von Melk

Schau doch mal nach oben! Die Erstürmung von Melk durch Markgraf Leopold I. in der Ruhmeshalle.

 

 


Mit unserer Reihe „Fresken im Fokus. Schau doch mal nach oben!“ richten wir den Blick auf die monumentalen Wand- und Deckenfresken der Ruhmeshalle des Heeresgeschichtlichen Museums. Diesmal steht ein Gemälde im Mittelpunkt, das gleich zu Beginn des großen Bilderzyklus erscheint: die Erstürmung von Melk durch Markgraf Leopold I. (Luitpold I.) um 984, gemalt von Carl Ritter von Blaas im Jahr 1859.

Das Bild zeigt eine dramatische Kampfszene: Christliche Krieger drängen ihre Gegner auf die höchsten Zinnen der Burg zurück. In der Mitte erscheint ihr Anführer, der als Ungarnfürst Geysa dargestellt wird,  mit einer goldenen Kette über der Schulter und einem Schild mit einem Fratzengesicht. Von links steigt Markgraf Leopold I. mit der Fahne auf die Mauern und ruft seine Gefährten zum entscheidenden Angriff. Die Bildunterschrift lautet: „Gründung der Ostmark durch Vertreibung der Ungarn aus Mölk.“

Doch diese Darstellung entspricht nicht ganz der historischen Überlieferung. Tatsächlich war die Burg von Melk in den 980er-Jahren Sitz eines mächtigen Adelsgeschlechts, der Sighardinger, die dort Grafschaftsrechte ausübten. Als Markgraf Leopold I. die Mark als Reichsamt übernahm, war ein einflussreicher Graf namens Sighard III. – in einer Quelle als „potentissimus homo Sizo“ bezeichnet – Herr der Burg. Laut dem um 1170 entstandenen Breve Chronicon Mellicense konnte dieser erst nach hartem Kampf von Leopold verdrängt werden. Über die Jahrhunderte wurde der Name „Sizo“ jedoch falsch gelesen und zu „Gizo“ verändert. Daraus entwickelte sich später die Vorstellung, es handle sich um einen ungarischen Fürsten. Als das Fresko im 19. Jahrhundert entstand, war diese Interpretation noch verbreitet – und so zeigt das Gemälde plötzlich einen Kampf gegen die Ungarn. Historisch gesichert ist eine Schlacht gegen Ungarn in Melk in dieser Form jedoch nicht, das Fresko spiegelt vielmehr eine nationalgeschichtliche Interpretation des 19. Jahrhunderts wider.

Gerade deshalb ist das Bild besonders spannend: Es erzählt nicht nur von mittelalterlichen Ereignissen, sondern auch davon, wie Geschichte im 19. Jahrhundert interpretiert und inszeniert wurde. Für den Historiker Anton Ritter von Perger galt die Erstürmung von Melk als „erste Waffentat auf neuem Boden“ und damit als symbolischer Beginn der späteren Entwicklung Österreichs - Melk wurde bald ein wichtiges Zentrum der frühen Ostmark und später ein zentraler Ort der Babenbergerherrschaft.

✨ Beim nächsten Besuch lohnt sich also ein Blick nach oben – und auf die Geschichten hinter den Bildern.

© HGM

 

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