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Bronzene Figuren sitzen hinter massiven Schreibtischen, umgeben von Aktenbergen – die Skulptur ,,Der Schreibtischtäter"

Der Schreibtischtäter: Täterschaft und Erinnerung im Fokus

Der Schreibtischtäter: Täterschaft und Erinnerung im Fokus

Eine Bronze-Skulptur, die weit über ihre künstlerische Form hinausweist – und zentrale Fragen zur Auseinandersetzung mit dem Holocaust aufwirft.


Der Schreibtischtäter (1983) von Alfred Hrdlicka (1928-2009)
Die Bronze-Skulptur des österreichischen Bildhauers ist weit mehr als ein künstlerischer Entwurf. 

Ein Entwurf für ein Denkmal
Im Mittelpunkt des aktuellen Beitrags von W24 - Das Stadtfernsehen im Gespräch mit Direktor Georg Hoffmann steht eine Bronze-Skulptur des österreichischen Bildhauers und Künstlers Alfred Hrdlicka. Das Werk war ursprünglich als Entwurf für ein Denkmal gedacht, das in Berlin realisiert werden sollte. Bereits in seiner Konzeption setzt sich die Skulptur mit dem Holocaust auseinander – jedoch nicht aus der Perspektive der Opfer, sondern mit einem Fokus auf die Frage der Täterschaft. Dargestellt ist eine Person, die auf einem Schreibtisch sitzt, über Akten gebeugt. Unmittelbar davor stehen mehrere Menschen, die sich zunehmend in einer anonymen Masse auflösen. Diese Komposition verweist auf bürokratische Strukturen und auf die Entpersonalisierung von Verantwortung.

Der Täter im Zentrum
Die Skulptur greift damit eine gesellschaftliche Debatte auf, die sich insbesondere ab den 1960er-Jahren entwickelte: das Bild des „Schreibtischtäters“, des Bürokraten des Todes. In der öffentlichen Wahrnehmung wurde dieses Täterbild stark mit der Figur Adolf Eichmann verbunden – einem der zentralen Organisatoren des Holocaust. Indem das Werk nicht die Leiden der Opfer zeigt, sondern die Mechanismen und Akteure der Täterschaft in den Fokus rückt, eröffnet es einen anderen Zugang zur Erinnerung an den Holocaust und zur Frage nach individueller und kollektiver Verantwortung.

Die Banalität des Bösen
Gleichzeitig kann die Skulptur als Allegorie auf Hannah Arendts Konzept der „Banalität des Bösen“ gelesen werden. Das scheinbar Alltägliche, das Bürokratische, wird hier zum Träger unfassbarer Verbrechen. Das Objekt steht somit nicht nur für historische Ereignisse, sondern auch für die intellektuellen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen, die daraus hervorgegangen sind.

Mehrere Blickwinkel auf Geschichte
Das Werk macht deutlich, dass Objekte niemals nur eine einzige Geschichte erzählen. In ihnen sind unterschiedliche Perspektiven, Deutungen und Debatten eingeschrieben. Genau hier setzt auch das Heeresgeschichtliche Museum bei der Konzeption seiner neuen Ausstellung 2026 an: Ziel ist es, Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten und jene gesellschaftlichen Diskussionen sichtbar zu machen, die sich in Objekten manifestieren.

Die Skulptur von Alfred Hrdlicka steht exemplarisch für diesen Ansatz – als künstlerisches Objekt, als historischer Kommentar und als Ausgangspunkt für eine kritische Auseinandersetzung mit Erinnerung, Verantwortung und Täterschaft.

Morgen, am 27. Jänner findet der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust statt. Er wurde im Jahr 2005 von den Vereinten Nationen zum Gedenken an den Holocaust und den 60. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau eingeführt.

Zum Video: Der Schreibtischtäter 

© W24

 

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