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Ein Paar betritt das Heeresgeschichtliche Museum durch den Haupteingang. Sie werden von hinten gezeigt, wie durch die große Glastür gehen, die von einem Herren aufgehalten wird. Die Personen sind in stilvoller Freizeitkleidung gekleidet. Der Mann trägt ein weißes Langarmshirt und eine dunkelblaue Hose, währen die Frau in der Mitte eine dunkle Jacke und Jeans trägt. Eine weitere Frau trägt ein graues Oberteil und helle, weite Hosen. Die Szene zeigt einen lebenden Moment beim Betreten des historischen Gebäudes.

Details

HGM
Kostenfrei 145 freie Plätze
Heeresgeschichtliches Museum

Königgrätz 1866: Vom Ereignis zum Topos

Die Tagung widmet sich dem Jahr 1866 als europäischem Schlüsselereignis. Im Fokus stehen neue quellenbasierte Forschungen zu Vorgeschichte, Verlauf und Folgen sowie zu Wahrnehmung, Mythenbildung und Erinnerungskulturen.


Die gemeinsam mit dem Institut für die Erforschung der Habsburgermonarchie und des Balkanraumes der Österreichischen Akademie der Wissenschaften veranstaltete Tagung bündelt neuere quellen-basierte Forschungen und stellt das Innovationspotenzial jüngerer historiografischer Zugänge zu Politik, Gesellschaft und Wirtschaft in den Vordergrund. Im Mittelpunkt stehen neben der Vorgeschichte und dem Ereignis selbst insbesondere seine Folgen und die (zeitgenössische) Wahrnehmung der Geschehnisse; aber auch der nachhaltige, im kollektiven Gedächtnis eingespeiste Topos wird diskutiert. 

Die Vortragsinhalte reichen von wirtschafts-, diplomatie- und politikgeschichtlichen Themen über Fragen nach der Führung und Modernität des k. k. Heeres bis hin zu den Kriegserfahrungen der Zivilbevölkerung. Zahlreiche medizinhistorische Facetten, etwa aus dem Gebiet der Pflegegeschichte und bezüglich der Cholera-Epidemie in Böhmen und Mähren, werden dabei ebenso thematisiert wie das Jahr 1866 als Wendepunkt im Prozess der weiblichen Emanzipation. Reaktionen und Inszenierungen im Spannungsfeld zwischen kleindeutscher und großdeutscher Lösung sowie im Spiegel von Presse, Literatur und Musik bilden einen weiteren Schwerpunkt. Abgerundet wird die Tagung mit Beiträgen zu verschiedenen Erinnerungskulturen.

Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem ÖAW IHB. 

Programm: 

Donnerstag, 21. Mai 2026

9:00–9:15 Uhr: Begrüßung
Georg Hoffmann, Arno Strohmeyer, Barbara Haider-Wilson

9:15–10:45 Uhr: Wirtschaft und Diplomatie, Chair: Franz Adlgasser 
Anatol Schmied-Kowarzik (Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien): Der lange Weg nach Königgrätz. Zur wirtschaftlichen Entwicklung von Österreich und Preußen 1849–1866
Alma Hannig (Universität Bonn): Die »Coburger Intrige« – die letzte Chance für den Frieden 1866?
Johann Gerlieb (Universität Leipzig): Mit »bitterem Lächeln« auf verlorenem Posten? Praxis, Netzwerk und Strategie des sächsischen Diplomaten Rudolf von Könneritz in Wien 1866

10:4511:15 Uhr: Kaffeepause

11:1512:45 Uhr: Krieg(serfahrungen), Chair: Ilya Berkovich 
Thomas Axmann (Universität Bonn): Das K.k. Heer bei Königgrätz: Schlechte Führung und veraltete Taktik?
Klára Brtková (Charles University Prague): The Austro-Prussian War in the experience and imagination of civilians in Bohemia
Marcela Horáková  Matouš Holas  Petr Hejhal (University of Hradec Králové/Museum of Eastern Bohemia, Hradec Králové): An interdisciplinary research of battlefield and mass graves from the Prussian-Austrian war 1866 near Hradec Králové

12:4514 Uhr: Mittagspause

14:0015:30 Uhr: Wahrnehmungen und soziale Dimensionen, Chair: Barbara Haider-Wilson
Laurence Cole (Universität Salzburg): Kriegswahrnehmung und -erinnerung aus regionaler Perspektive: Die Auswirkungen des Jahres 1866 in Salzburg und Oberösterreich
Nicolle Šťastná (Jan-Evangelista-Purkyně-Universität Ústí nad Labem): Zur sozialen Dimension der kriegsbedingten Verletzungen in den böhmischen Ländern
Karin S. Wozonig (Universität Wien): »Seid freisinnig, um gerecht sein zu können!« Betty Paoli, die Frauenfrage und Königgrätz

15:3016:00 Uhr: Kaffeepause

16:0017:30 Uhr: Medizinische Aspekte, Chair: Stefan Kurz
Anja Katharina Peters  Eva Schmidt  Jonas Leuwer (Evangelische Hochschule Dresden): Mutter Simon – die sächsische Pflegepionierin Marie Simon/Marja Simonowa (1824–1877): Königgrätz 1866 als Substrat pflegefachlicher Entwicklung und pflegehistorischer Legendenbildung
Julia Letow (Universität Bonn): »Trotz der guten ärztlichen Hülfe werden doch noch sehr Viele hier sterben«. Medizin und Militär im Krieg 1866 am Beispiel der Bonner Ärzte
Michal V. Šimůnek (Institute of Contemporary History of the Czech Academy of Sciences, Prague) – Milan Novák (Society for History of Sciences and Technic, Prague): A Prussian Souvenir? On the Statistics of Cholera Epidemic in Bohemia and Moravia after July 3, 1866

18:00 Uhr: Abendvortrag Richard Bassett (Christ’s College, Cambridge): Königgrätz in the »golden era of Anglo-French staff college studies«
Moderation: Maria Fritsche

Im Anschluss Weinempfang

 

Freitag, 22. Mai 2026

9:0010:30 Uhr: Nach dem Ereignis: Politik, Staat und Kirche, Chair: Stefan Wedrac 
Stefan Malfèr (Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien): Königgrätz, der Ausgleich und die Dezemberverfassung. Beobachtungen zur Semantik der Geschichtserzählung
Franz L. Fillafer (Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien): Vae Victis? Die österreichischen Liberalen als Nutznießer der Niederlage von 1866 
Stefan Schima (Universität Wien): Königgrätz, die mangelnde Qualität der »Konkordatssoldaten« und die einsetzende Dynamik auf dem Gebiet des Staat–Kirche-Verhältnisses

10:3011:00 Uhr: Kaffeepause

11:0012:30 Uhr: (Un-)Geklärte Verhältnisse, Chair: Alma Hannig
Marcel Mouson (Universität Trier): Das Ende der »christlich-germanischen Gesellschaftsordnung«? Reaktionen und Bewältigungsstrategien (groß-)deutscher Katholiken auf Königgrätz und den Ausschluss Österreichs
Frederik Frank Sterkenburgh (Utrecht University): Crafting the Military Monarchy: Louis Schneider, Theodor Fontane, and the Narrating of King Wilhelm I as »Victor of Königgrätz«
Paul Csillag (Universität Innsbruck): Die kaiserlich-kronprinzliche Versöhnung – Das Treffen zwischen Kaiser Franz Joseph und Kronprinz Friedrich in Wien 1869 als imperiale Wiederannäherung

12:3013:50 Uhr: Mittagspause

13:5015:20 Uhr: Satire, Literatur und Musik, Chair: Stefan Schima
Barbara Haider-Wilson (Österreichische Akademie der Wissenschaften, Wien): »Der Kikeriki wird ein Oesterreicher bleiben …« Königgrätz und die Folgen aus der Sicht eines »Humoristischen Volksblatts«
Anett Lütteken (Zentralbibliothek Zürich): »Warten wir hier auf Preuß« – Die Schlacht bei Königgrätz im Spiegel der zeitgenössischen Literatur
Ralf-Olivier Schwarz (Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, Frankfurt am Main): Von den Rheinnixen zur schönen blauen Donau. Zum Musikleben in Wien vor und nach 1866

15:2015:40 Uhr: Kaffeepause

15:4017:10 Uhr: Erinnerungskultur, Chair: Franz L. Fillafer
Stefan Kurz (Heeresgeschichtliches Museum, Wien): Die Schlacht von Königgrätz in der militärischen Erinnerungskultur der Habsburgermonarchie und Österreichs bis 1938 unter besonderer Berücksichtigung ihrer musealen Manifestation
Vojtěch Kessler  Josef Šrámek (Tschechische Akademie der Wissenschaften/Museum Ostböhmens, Hradec Králové): Gedächtnis in Stein. Kommemoration und Versteinerung des Krieges von 1866 in den böhmischen Ländern
Tobias Hirschmüller (Universität Trier): »Trauma« für Österreich, »Meilenstein« für Deutschland, »Reenactment« für alle – Der Wandel der Erinnerungskultur an die Schlacht von Königgrätz

17:1017:45 Uhr: Schlussdiskussion
Moderation: Stefan Wedrac

© HGM: Im Krieg 1866 verwundete k. k. Offiziere vor dem Spital im Palais Colloredo-Mansfeld in Prag.

Facts zum Event

Heeresgeschichtliches Museum
Arsenal 1
1030 Wien
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