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Das Äussere Burgtor

DAS ÄUSSERE BURGTOR

Stadttor – Heldendenkmal – Gedächtnisort

Der Heldenplatz ist einer der symbolträchtigsten Orte Österreichs. Am 15. März 1938 verkündete Adolf Hitler vom Altan der Neuen Burg den »Anschluss« Österreichs an das nationalsozialistische Deutsche Reich. Zugleich ist der Platz bis heute von der Architektur der Habsburgermonarchie geprägt. Die Hofburg, einst Zentrum kaiserlicher Herrschaft, ist heute Sitz des Bundespräsidenten. In unmittelbarer Nähe befinden sich Bundeskanzleramt und Parlament. So verbindet der Heldenplatz imperiale Vergangenheit, demokratische Gegenwart und die Brüche der österreichischen Geschichte. An der Südwestseite des Heldenplatzes steht das Äußere Burgtor. Es wirkt auf den ersten Blick wie ein monumentaler Abschluss des Platzes, ist aber ein vielschichtiger Erinnerungsraum: Monarchie, Krieg, autoritärer Staat, Nationalsozialismus, Widerstand und Demokratie überlagern sich hier inhaltlich.

Errichtet wurde das Burgtor zwischen 1821 und 1824 nach den Plänen Pietro Nobiles. Es entstand dort, wo französische Truppen 1809 Teile der Wiener Stadtmauer gesprengt hatten. Die Eröffnung im Jahr 1824 verwies auf die Völkerschlacht bei Leipzig. Seine fünf Durchfahrten, dorischen Säulen und der blockhafte Baukörper erinnern an Stadttor, Festung und Triumphbogen zugleich. Die Zeichen an der Fassade erzählen von wechselnden Bedeutungen. Die Inschrift »Iustitia regnorum fundamentum« – »Gerechtigkeit ist das Fundament der Herrschaft« – war der Wahlspruch des Kaisers Franz I. und verweist auf das monarchische Staatsverständnis. Die bronzenen Lorbeerkränze stammen aus dem Ersten Weltkrieg. Sie gehörten zur Aktion »Lorbeer für unsere Helden« und verbanden soldatische Ehrung mit Kriegsfürsorge.

1934 erhielt das Burgtor seine prägende innere Gestaltung. Das Dollfuß-Schuschnigg-Regime ließ den klassizistischen Torbau zum »Österreichischen Heldendenkmal« umgestalten. Aus den ehemaligen Wachräumen wurden Gedenkräume. Über der Tordurchfahrt wurde eine Ehrenhalle geschaffen. Der autoritäre Staat schrieb sich in die monarchische Architektur ein und deutete sie im Sinne von Opfer, Treue und militärischer Erinnerung neu.

Im rechten Flügel liegt die Krypta. Sie wurde 1934 als Gedenkstätte für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs eingerichtet. Im Zentrum steht Wilhelm Frass’ Figur des »Toten Kriegers«. Die Jahreszahlen 1914/1918 und 1939/1945 zeigen, dass der Ort nach 1945 auch dem Gedenken an die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs gewidmet wurde. 2012 wurde unter der Skulptur eine Hülse mit zwei Botschaften entdeckt: einem nationalsozialistischen Huldigungsschreiben vom Bildhauer Frass und einer pazifistischen Gegenstimme seines Mitarbeiters. 2015 wurde die Krypta profaniert.

Im linken Flügel befindet sich seit 1965 der Weiheraum für die Opfer des Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Im Zentrum steht hier der Marmorblock mit dem Bundeswappen und der Inschrift »Im Gedenken an die Opfer im Kampfe für Österreichs Freiheit«. Eine Vitrine im Eingangsbereich verweist auf NS-Verfolgung, Widerstand, Wiedererrichtung der Republik und Staatsvertrag. Der Weiheraum bildet einen Gegenpol zur Krypta: republikanisches Freiheits- und Widerstandsgedenken statt soldatischem Gefallenengedenken.

Über der Tordurchfahrt liegt die nach oben offene Ehrenhalle. Sie entstand ebenfalls 1934 als Teil des Heldendenkmals. Ihre bildliche Ausgestaltung und ihre Inschriften verweisen auf militärische Erinnerungskultur, die an die Traditionen der habsburgischen Armee anknüpft. Seit 2019 befindet sich hier auch das Denkmal des Österreichischen Bundesheeres der Zweiten Republik. Es erinnert an Soldatinnen und Soldaten, die seit 1955 in Ausübung ihres Dienstes ihr Leben verloren haben.

Das Äußere Burgtor macht sichtbar, wie Erinnerung entsteht und in unterschiedlichen Zeiten gelesen beziehungsweise genutzt wird. Aus einem Stadttor wurde ein Heldendenkmal; aus einem belasteten Ort soldatischer Opferdeutung ein staatlicher Gedächtnisort, an dem Krieg, Nationalsozialismus, Widerstand, Republik und Verantwortung sichtbar bleiben. Seine Bedeutung liegt in dieser Spannung: Das Burgtor fordert nicht nur zum Gedenken auf, sondern zum Verstehen. Dazu wird das Heeresgeschichtliche Museum künftig mit kuratorischen Interventionen beitragen und den Ort museal erschließen.

Das Burgtor ist zu unregelmäßigen Zeiten geöffnet und kann während dieser kostenfrei besichtigt werden. 
Garantierter Zutritt kann nur im Rahmen einer gebuchten Führung mit dem HGM-Kulturvermittlungsteam gewährleistet werden.

 

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