Jochen Böhler
ist habilitierter Historiker mit Forschungsschwerpunkt im Bereich der Militär-, Kriegs- und Gewaltforschung in der Europäischen Zeitgeschichte. Seine Arbeiten zum Ersten und Zweiten Weltkrieg in Osteuropa haben die internationale Forschung maßgeblich beeinflusst. Von 2000 bis 2010 baute er am Deutschen Historischen Institut Warschau den Forschungsbereich "Krieg und Fremdherrschaft im Zeitalter der Extreme" auf. Er war Fellow am Washingtoner United States Holocaust Memorial Museum (2004) und an der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem (2007-2008) sowie wissenschaftlicher Mitarbeiter am Imre Kertész Kolleg Jena (2010-2019). 2017 hatte er eine Gastprofessur an der Sorbonne-Universität Paris inne, 2019 bis 2022 die Vertretungsprofessur Osteuropäische Geschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Von 2022 bis 2025 war Jochen Böhler Direktor des Vienna Wiesenthal Institute for Holocaust Studies. Mit Mai 2026 leitet er das Referat für Public History am Heeresgeschichtlichen Museum.
Kontakt: j.boehler@hgm.at
Forschungsschwerpunkte
- Militärgeschichte im Zeitalter der Weltkriege
- Holocaust-Forschung
- Imperialismus und Nationalismus
- Territoriale Neuordnung und Umgang mit Minderheiten
- Transnationale Geschichte
- Grenzraumforschung
Aktuelle Forschung
„Mein polnisches Tagebuch“: Ein Editions- und Erinnerungsprojekt zu den Memoiren eines Gendarmen aus Österreich im NS-besetzen Polen
Der Steirer Adolf Landl stellte 1963 seine Memoiren mit dem Titel „Mein polnisches Tagebuch“ fertig. Landl war während der NS-Zeit als Gendarm in Polen stationiert. In seinen mehr als 400 Seiten umfassenden autobiografischen Aufzeichnungen geht er auf seinen beruflichen Werdegang, seine Stationierung in unterschiedlichen polnischen Städten, zuletzt in Łopuszno im Kreis Kielce, den Alltag auf den unterschiedlichen Polizeiposten, das Verhältnis der reichsdeutschen Okkupanten zu jüdischen und nicht-jüdischen Pol:innen und vor allem auf von seiner Einheit verübte Terroraktionen und Kriegsverbrechen ein, die ihn dazu veranlassten, gegen die NS-Besatzung aktiv zu werden. Das Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien (VWI) möchte durch das vorliegende Projekt dazu beitragen, dass Landls Memoiren und die darin behandelten Inhalte sowohl Wissenschaftler:innen als auch geschichtsinteressierter Öffentlichkeit nähergebracht werden können.https://www.nationalfonds.org/detail-view/6456
Publikationen
Jochen Böhler/Włodzimierz Borodziej/Joachim von Puttkamer (Eds.), Violence. The Routledge History Handbook of Central and Eastern Europe in the Twentieth Century, vol. 4 (London and New York: Routledge, 2022).
Jochen Böhler/Vivian Hux Reed (Eds.), An American in Europe at War and Peace. Hugh S. Gibson’s Chronicles 1918–1919 (Berlin, Boston: De Gruyter Oldenbourg, 2020).
Jochen Böhler, Civil War in Central Europe, 1918–1921. The Reconstruction of Poland (Oxford: Oxford University Press, 2018) (Polish: 2018) (English paperback: 2022).
Jochen Böhler/Robert Gerwarth (Eds.): The Waffen-SS. A European History (Oxford: Oxford University Press, 2017) .
Links