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Sonderausstellungen

 Sonderausstellung (28. März bis 29. Oktober 2017)

„Museumsding“ gekauft, geschenkt, vermacht – Neuerwerbungen der Jahre 2007 bis 2017

 

Wie kann es sein, dass ein vermeintlich simples Paar Stiefel Teil einer musealen Sammlung wird? Warum sammelt ein Militärmuseum ausgerechnet einen Dirigentenstab? Welche Geschichte verbirgt sich hinter einer Gebetskette mit einem kaum noch erkennbaren Maria-Theresien-Taler aus dem Tschad?

Die vornehmlich im 19. Jahrhundert geschaffenen Militärmuseen dienten seinerzeit vorrangig der Zurschaustellung von Waffen, Uniformen und Fahnen der eigenen Armee und einer ungeheuren Vielzahl auf den Schlachtfeldern „erworbener“ Beutestücke. Damit reihten sie sich gleichsam in die scheinbar bewährte Tradition historischer Zeughäuser und Rüstkammern, wo mit Besitz geglänzt und insbesondere mit der Fülle an Objekten beeindruckt werden sollte. Mit dem primären Fokus auf die Leistungen der heroisierten Feldherren – unter allfälliger Berücksichtigung der technischen und organisatorischen Entwicklung der Armeen – blieb kaum Zeit und noch viel weniger Platz, um sich etwa auch mit dem Schicksal des einfachen Soldaten und seinem „militärischen Alltag“ zu beschäftigen. Umgekehrt erscheinen uns aber gerade heute die mitunter einfachen, alltäglichen Gegenstände umso eindrucksvoller. Sie in Ausstellungen vorrangig zu präsentieren, ist vielfach nicht mehr möglich, da sie in der Vergangenheit als nicht „sammlungswürdig“ befunden und deshalb auch nicht aufgehoben wurden.

Es zählt daher auch heute nach wie vor zu den schwierigsten Aufgaben der Museumskuratoren, zu entscheiden, womit künftig Ausstellungen für nachfolgende Generationen gestaltet werden können, um letztlich „die“ Geschichte zu dokumentieren und zu veranschaulichen. Aus der Fülle von Objekten das jeweils „Richtige“ auszusuchen, bleibt eine denkbar schwierige Aufgabe. Alles sammeln und bewahren zu wollen, ist schlichtweg unmöglich. Umgekehrt sind „Sammlungslücken“ im Nachhinein kaum und wenn, dann nur unter Einsatz entsprechend hoher finanzieller Mittel zu schließen. Daher gilt es sorgsam und mit entsprechendem Verständnis auszuwählen, wobei der „Wert“ eines Objektes oft auf sehr unterschiedlichen Kriterien basiert. Die entscheidende „(Aus-)Wahl“ geschieht keineswegs willkürlich, sondern beruht stets auf den museumseigenen Sammlungsdirektiven, die im Fall des Heeresgeschichtlichen Museums seit seiner Gründung auf die Aufarbeitung und Dokumentation der österreichischen Militärgeschichte ausgerichtet sind.

Das Museum verfügt aktuell über einen Sammlungsbestand von rund 1,3 Millionen Objekten, welche seit 1885 sorgsam ausgewählt bzw. für die Sammlungen erworben wurden und letztlich über die Epochen bewahrt werden konnten. Jährlich kommen in etwa 4.500 neue Objekte hinzu, wobei die Sammlungen durch Ankäufe und Zuweisungen, vor allem aber durch Schenkungen von Privatpersonen erweitert werden. Oft glaubt man, dass nur „alte“ und besonders bedeutsame Objekte Eingang in die musealen Sammlungen finden dürfen. Tatsächlich sind es aber oft einfache, alltägliche Gegenstände wie etwa ein aus Holz angefertigtes Schachspiel eines Kriegsgefangenen oder ein privat angelegtes Fotoalbum, die uns die Schicksale vergangener Zeiten näher bringen, persönliche Bezüge herstellen und somit die Erinnerung bewahren helfen.

Die neue Sonderausstellung präsentiert einen qualitativen und – dem geringen zur Verfügung stehenden Raum geschuldet – lediglich fragmentarischen Querschnitt von insgesamt 78 Objekten aus den während der letzten zehn Jahre knapp 48.000 erfolgten Neuerwerbungen des Museums. Davon konnte bislang tatsächlich nur ein kleiner Teil in die permanente Präsentation des Museums integriert werden, andere wiederum unterstützen als Leihgabe externe Ausstellungsvorhaben. Aber auch wenn der Großteil der Objekte in den Depots der Sammlungen noch auf seinen „Einsatz“ harrt, so ist ihnen allen eines gemein: Sie bleiben für zukünftige Generationen erhalten und helfen uns dabei, „unsere“ Geschichte zu erzählen …

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