Republik und Diktatur

Ein besonderer Abschnitt ist einer schicksalsschweren Periode der jüngeren österreichischen Geschichte gewidmet. Der Weg Österreichs vom Zerfall der Monarchie über die Zwischenkriegszeit und den Zweiten Weltkrieg bis in die Zweite Republik wird hier eindrucksvoll veranschaulicht.

 

Da sich die Völker Österreich-Ungarns nach dem Ersten Weltkrieg nicht mehr für ein gemeinsames Reich entschieden, sahen auch die Deutschen der Habsburgermonarchie die Unausweichlichkeit der Bildung eines eigenen Staates.  

Die politischen Kräfte standen sich politisch misstrauisch gegenüber und Gewalt wurde in der Politik alltäglich. Es entstanden mehrere paramilitärische Verbände, von denen die dem bürgerlichen Lager zugerechneten Heimwehren und der republikanische Schutzbund, der Sozialdemokratischen Partei die bedeutensten wurden. Schließlich kamen die paramilitärischen Formationen der Nationalsozialisten dazu.

Von 1927 an herrschten bürgerkriegsähnliche Zustände. Die österreichische Regierung wurde immer autoritärer, nützte 1933 im Parlament eine Pattstellung zur Ausschaltung desselben und hob schließlich die Verfassung auf. Die Unruhen fanden sowohl im Bürgerkrieg, Februar 1934, als auch im  Juli 1934, mit der Ermordung von Bundeskanzler Dollfuss durch Nationalsozialisten sowie ausgedehnten Kampfhandlungen  ihren Höhepunkt. International wurde Österreich isoliert, bis Schuschnigg dem Druck von Hitler ausgehend nicht mehr standhielt, eine geplante Abstimmung über Österreichs Souveränität absagte und der Einmarsch in Österreich vollzogen wurde.


Die nationalsozialistische Diktatur in Österreich führte nicht nur zu einem Elitenwechsel, zwangsweiser Emigration und Verfolgung, sondern machte das Land auch in kürzester Zeit kriegsbereit. Aus Österreich stammende Soldaten machten dann auch alle Feldzüge der Deutschen Wehrmacht mit und teilten schließlich deren Schicksal. Ab 1943 wurde das als "Alpen und Donaureichsgaue" bezeichnete Land Schauplatz des Luftkrieges. Währenddessen erreichte auch die Verfolgung und die systematische Ermordung von Juden und Gegnern des nationalsozialistischen Regimes ihren Höhepunkt. Trotz eines allmählich erstarkenden Widerstandes und der Beteiligung von Österreichern am Versuch, Hitler am 20. Juli 1944 zu ermorden, blieb das Land eingebunden in die politischen und militärischen Strukturen des Deutschen Reiches, erlebte schließlich von März bis Mai 1945 den Krieg auf eigenem Boden, die Befreiung des Landes durch die Alliierten und die Kapitulation der Wehrmacht. 

Sowjetische, amerikanische, britische und französische Truppen besetzten ganz Österreich. Nachher ließ sich die Bilanz ziehen und feststellen, dass Österreich als Teil des Großdeutschen Reiches rund 1,2 Millionen Soldaten zu stellen gehabt hatte, dass eine Viertelmillion von ihnen gefallen oder vermisst war, dass rund 65.000 österreichische Juden ermordet worden waren und schließlich der Luftkrieg und die Kämpfe auf österreichischem Boden die Gesamtzahl der Opfer der NS-Zeit auf 380.000 Menschen hatte anwachsen lassen.

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