HGM Blog / Objekt des Monats

Objekt des Monats August

Foto- bzw. Erinnerungsalbum des langjährigen Leiters der Spanischen Hofreitschule, Oberst Alois Podhajsky (1898-1973) mit 217 Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs, der Ersten Republik, des Zweiten Weltkriegs und der Zweiten Republik mit Reiteraufnahmen Podhajskys, unter anderem in Salzburg.

Dieses Album stammt aus dem Besitz des Dressurreiters Oberst Podhajsky, welcher im Jahr 1936 eine Bronzemedaille im Dressurreiten bei den Olympischen Spielen in Berlin gewann. Kurz darauf wurde er mit der Leitung der damals umbenannten „Spanischen Reitschule“ betraut und war maßgeblich an deren Entwicklung und Fortbestand beteiligt.  
Mithilfe des amerikanischen Generals George Smith Patton jr. konnte er gegen Ende des Zweiten Weltkriegs die Lipizzaner zu dessen Schutz nach Oberösterreich evakuieren, eine Rückkehr in die Hofburgstallungen war jedoch erst 1955 wieder möglich. Durch Umstrukturierungen und vor allem durch diverse Auslandstourneen und Veranstaltungen erlangte die, später wieder rückbenannte, Spanische Hofreitschule unter seiner bis 1965 andauernden Ägide international große Bekanntheit. Nach seiner Pensionierung verfasste er einige Bücher wie das bis heute als Meilenstein für die Dressurreiterei geltende Werk „Die klassische Reitkunst“.

Objekt des Monats Juli

Universal Carrier T16 Mk1

Das leicht gepanzerte Kampffahrzeug Universal Carrier T16 Mk1 ist ein im Verlauf des 2. Weltkrieges verbessertes Modell des britischen Universal Carriers, auch Bren Gun Carrier genannt. Durch die Verlängerung des Laufwerkes um eine Laufrolle und eine vereinfachte Lenkung ergaben sich eine wesentlich bessere Geländegängigkeit.  Ab 1943 wurde in den USA der Universal Carrier T16 bei der Ford Motorcompany gefertigt und an die britische- sowie die kanadische Armee im Rahmen des „Lease-Lend-Vertrages“ ausgeliefert. Als leichtes Kampffahrzeug wurden die Universal Carrier T16 vor allem zum Transport von Infanterie und als Zugmaschine für Panzerabwehrkanonen ab 1944 eingesetzt.

Objekt des Monats Juni

"Kameradentreue"  Otto Moroder (1894-1977)  Dauerleihgabe der LETTER Stiftung, Köln

Monogrammiert „MO“, undatiert (um 1918). Zirbenholz, H 51 x B 32 x T 24 cm

 

 

 

Otto Moroder stammte aus einer Südtiroler Holzschnitzer-"Dynastie". Er war der letzte Sohn des Josef Moroder-Lusenberg (1846-1939), der wiederum langjähriger Schüler Franz Defreggers (1835-1921) war, und lernte in der väterlichen Werkstatt sein Handwerk. Er gilt auf Grund seines Stils und seiner Motivwahl als der "Egger-Lienz" unter den Holzschnitzern Tirols. Der Einfluss von Albin Egger-Lienz (1868-1926) wird auch in der gegenständlichen Schnitzerei offensichtlich. So wirkt diese Szene, in der ein Soldat seinen toten Kameraden vom Schlachtfeld trägt, einerseits rührig und doch modern. Dieses wertvolle Werk wurde von der LETTER Stiftung Köln bei einer Auktion in Wien ersteigert und anschließen dem Heeresgeschichtlichen Museum dankenswerterweise als unbefristete Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt.

Objekt des Monats Mai 2017

 

Französische Halbstiefel verwendet vom Jagdkommando des Österreichischen Bundesheeres / 2. Republik

Beim Jagdkommando handelt es sich um eine Spezialeinheit des Österreichischen Bundesheeres, welches in Wiener Neustadt stationiert ist. Vorläufer des Jagdkommandos existieren bereits seit dem Aufbau des Bundesheeres 1955, seinerzeit in Form von so genannten „Kampfzügen“, die bei den jeweiligen Infanteriebataillonen eingerichtet waren. Die Ausbildung war oftmals geprägt von den Erfahrungen jener Offiziere, die ihrerseits Ausbildungen bei den Spezialeinsatzkräfte ausländischer Armeen absolviert haben, zumeist in den Vereinigten Staaten von Amerika („Ranger“) bzw. in Frankreich (Fallschirmjäger und Taucher). Beim Jagdkommando, sind seit jeher auch viele außergewöhnliche Ausrüstungsgegenstände in Verwendung. Bei dem vorliegenden Paar brauner Halbstiefel, handelt es sich um ein französisches Modell der Marke Palla Ranger, welches aus Leder, Baumwolle und Gummi erzeugt ist. Die Schuhe sind bereits stark abgenutzt und zeugen von einem sehr intensiven Gebrauch. Wenngleich das Schuhwerk sicherlich seit jeher zu den wichtigen Elementen der Ausrüstung aller Soldaten bildet, so ist dieses meist kaum erhalten geblieben. Oftmals als Arbeitsschuhe oder „Freizeitschuh“ weiterverwendet, bilden daher insbesondere militärische Schuhe und Stiefel, vermeintlich „schmucklose Alltagsgegenstände“ stets für das Museum eine willkommene Bereicherung, um die Ausrüstung der Soldaten zu komplettieren.

Objekt des Monats April 2017

Rücktrittsangebot von Kriegsminister Theodor Graf Baillet von Latour (15. Juni 1780 – 6. Oktober 1848) vom 6. Oktober 1848.

35,4 cm x 21 cm großer Doppelbogen, nur in der oberen Hälfte der Vorderseite in sehr schwer leserlicher, offensichtlich in höchster Aufregung rasch hingeworfener Schrift mit Tinte beschrieben. Der Text lautet:

„Mit Genehmigung seiner Majestät bin ich bereit meine Stelle des
Kriegsministers niederzu legen.
An 6ten Octo= [1]848 Graf Latour FZM“

Hinter diesen wenigen dürren Worten des Dokuments verbirgt sich nicht nur eine dramatische Begebenheit aus der Geschichte der Wiener Oktoberrevolution 1848, sondern auch die persönliche Tragödie des Verfassers dieser Zeilen, welcher wenige Minuten nach der Abfassung dieser Erklärung von aufgebrachten Wiener Bürgern ermordet sein sollte.

Theodor Baillet Graf von Latour wurde, nach dem er bis dahin eine glänzende Offizierskarriere durchlaufen und es bis zum Rang eines Feldzeugmeisters gebracht hatte, am 6. April 1848 zum k.k. Kriegsminister ernannt. Da er in dieser Stellung den Banus von Kroatien, Joseph Graf Jelačić von Bužim, in seinem Kampf gegen die aufständischen Ungarn unterstützte, zog er sich den allgemeinen Hass der revolutionär eingestellten Wiener Bevölkerung zu. Als er dann am 4. Oktober 1848 die Verlegung eines Teils der Wiener Garnison an den ungarischen Kriegsschauplatz befahl, kam es zur Meuterei der Truppen und zu Kämpfen zwischen kaisertreuen Einheiten einerseits und der Wiener Bevölkerung und der Nationalgarde andererseits in Floridsdorf, die sich schließlich in die Stadt hinein verlagerten. Es kam zu verlustreichen Straßenkämpfen in der Innenstadt und sogar Schusswechseln innerhalb des Stephansdomes. Vom Wiener Volk in seinen Amtsräumen im Kriegsministerium am Platz Am Hof belagert und mit dem Tode bedroht schrieb Latour in äußerster Bedrängnis, in der Hoffnung dadurch sein Leben zu retten, das vorliegende Dokument. Als er, nachdem ihm das freie Geleit zugesichert worden war, das Gebäude verlassen wollte, wurde er jedoch im Hof mit einem Hammerschlag auf den Kopf und durch Hieb- und Stichwaffen niedergestreckt und anschließend seine Leiche an einem Laternenpfahl aufgehängt und mehrfach geschändet.

Dieser Brief wurde dem Heeresgeschichtlichen Museum im Jahre 2010 in einem Konvolut von Dokumenten betreffend Theodor Baillet von Latour als Schenkung übergeben und ist nun im Rahmen der Sonderausstellung „ ‚Museumsding‘ – gekauft, geschenkt, vermacht – Neuerwerbungen der Jahre 2007-2017“ zu sehen.

Objekt des Monats März 2017

Deutsche Selbstladegewehre

Bis zum Jahr 1939 hatte man im Deutschen Reich der Entwicklung von Selbstladegewehren relativ wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Erst 1941 mit Beginn des Feldzugs gegen die Sowjetunion sollten die Soldaten der Deutschen Wehrmacht in den direkten Kontakt mit den bei der Roten Armee zum damaligen Zeitpunkt bereits in sehr großer Zahl eingeführten Selbstladegewehren der Typen Simonow und Tokarew geraten.
Basierend auf den Gewehren Tokarew SVT-38 und SVT-40 wurden schließlich auf Auftrag des Heereswaffenamts durch die  Firmen Walther und Mauser Prototypen für das neue Gewehr 41 entwickelt. Bei beiden Waffen, die auf die Verwendung der 7,92mm Gewehrpatrone ausgelegt waren, sollte der Gasdruck jeweils an der Mündung entnommen werden.


Das Gewehr 41 System Mauser (Gew 41(M)) verfügt über einen Drehkolbenverschluss und ein Magazin, welches zehn Patronen fasst.

 

Beim Entwurf der Firma Walther wurde das Gewehr Gew 41(W) mit einem Zylinderverschluss mit zwei Verriegelungsplatten ausgerüstet. Das Magazin fasst ebenfalls zehn Patronen.

Eingehende Erprobungen bei den Fronttruppen ergaben jedoch gravierende Mängel bei beiden Systemen. Insbesondere die starke Verschmutzung durch die Gasentnahme an der Mündung führte immer wieder zu Schwierigkeiten, die sich insbesondere beim System Mauser nachteilig auf die komplizierte Mechanik auswirkten. Aufgrund der massiven Probleme in Folge des sehr aufwändigen Aufbaues wurden schließlich alle weiteren Entwicklungsarbeiten am System Mauser eingestellt. Allein das Gewehr 41(W) System Walther wurde nach weiteren Vergleichen mit dem sowjetischen Tokarew System schließlich durch eine Umrüstung auf eine Gaskolbensystem entscheidend weiterverbessert.
Das daraus entwickelte Gewehr 43 war um Vieles leichter, dennoch wesentlich robuster und für den Schützen verlässlicher als seine Vorgänger.  Das Gewehr 43 wurde bis Kriegsende in großer Stückzahl für die Deutsche Wehrmacht angefertigt, sollte den Karabiner 98k als Infanteriewaffe jedoch nie völlig ersetzen.

Objekt des Monats Februar 2017

Tempera Portraits von Andreas Hofer und Joachim Haspinger

Anonym
Portrait Andreas Hofer (1767-1810)
Tempera auf Papier, 28,5 x 20 cm
Unisigniert, undatiert (um 1809); Bezeichnet unten: „Andreas Hoffer“ (sic!)
HGM Inv. Nr. 2010/15/8
Anonym
Portrait Joachim Haspinger (1776-1858)
Tempera auf Papier, 28,5 x 20 cm
Unisigniert, undatiert (um 1809);
Bezeichnet unten: „Joachim Hoffer“ (sic!)
HGM Inv. Nr. 2010/15/9

1809 kämpfte Andreas Hofer erfolgreich gegen die mit Frankreich verbündeten Bayern in Tirol. Nach der dritten Bergiselschlacht (13. August 1809) gelang es ihm sogar, die Regentschaft über Tirol zu übernehmen. Aus Dankbarkeit ob seines Erfolges ließ Kaiser Franz I. (1768-1835) dem Anführer der Tiroler Freiheitskämpfer neben einem Geldgeschenk von 3.000 Golddukaten auch eine Gnadenkette überreichen, die auf diesem Portrait abgebildet ist. Von Hofer, dessen Rezeption zum Nationalhelden sich nicht zuletzt auch durch die Historienbilder Franz Defreggers (1835-1921) erst nach 1848 manifestierte, gibt es nur wenige wirklich zeitgenössische Porträts; ebenso von seinem Mitstreiter, dem Kapuzinerpater Joachim Haspinger. Die beiden Temperagemälde, als Gegenstücke konzipiert, waren im Besitz eines Bediensteten der Kaiserin Karoline Auguste von Bayern (1792-1873), der vierten Ehefrau des Kaisers Franz I. von Österreich. In weiterer Folge konnte ein Wiener Kunsthändler die beiden Portraits erwerben, von dessen Witwe sie durch Ankauf schließlich in die Gemäldesammlung des Heeresgeschichtlichen Museums gelangten.

Objekt des Monats Jänner 2017

Fähnchen für Fahrzeuge der in Wien tätigen Interalliierten Militärpolizei (sgn. „Vier im Jeep“) sowie Ärmelschild der „International Patrol“ zur Erinnerung an das US-amerikanische 796te Militärpolizeibataillon „Corps d’Elite“ (1946-1953)




Schenkung aus dem Nachlass von Mr. Bill BILLET, Präsident der Veteranen-Vereinigung der vormaligen US-Streitkräfte in Österreich (USFA)

Fähnchen für Fahrzeuge der in Wien tätigen Interalliierten Militärpolizei (sgn. „Vier im Jeep“) sowie Ärmelschild der „International Patrol“
© Blue Danube Network/ Billet
Bill Billet als USFA Angehöriger (1950-1954)
© HGM/MHI
Zugehörigkeitsabzeichen der Interalliierten
Militärpatrouille (1945-1955)
© HGM/MHI
Zugehörigkeitsabzeichen der USFA-Angehörigen
(1945-1955)

1946 erfolgte die Vereinigung sämtlicher in Wien stationierter US-amerikanischen Militärpolizeieinheiten im sogenannten 796th Military Police Battalion, dessen Stärke sich in Summe auf 22 Offiziere und 484 Militärpolizisten belief. Organisiert in einer Stabs- sowie weiteren vier Bereitschafts-Kompanien waren diese den verschiedenen von der US-Armee kontrollierten Bezirken in Wien zugeteilt, wobei sich das Hauptquartier des Bataillons bis 1953 in der Wiener Stiftskaserne in Mariahilf befand.


Das Bataillon selbst verfügte über einen umfangreichen Fuhrpark, welcher insbesondere auch der seit Sommer 1945 eingesetzten interalliierten (Militärpolizei-)Patrouille („International Patrol“) zur Verfügung gestellt wurde, wobei stets ein Angehöriger der amerikanischen Militärpolizei als Fahrer fungierte.  Dieser versah mit einem französischen, englischen sowie einem russischen Kollegen - als die sogenannten „Vier im Jeep“ - in den von den Alliierten in Wien jeweils beanspruchten Besatzungszonen von 1945 bis in den September 1955 jeweils Dienst.


Wenngleich sich die Verwendung der Jeep-Fahrzeuge selbst relativ rasch als unpraktisch erwies und daher durch andere Fahrzeugtypen, zunächst etwa durch den weitaus geräumigeren Dodge WC 57,  ersetzt wurden, behielt sich der Begriff der „Vier im Jeep“ noch lange Zeit bei und stellt im Grunde bis zum heutigen Tag einen Inbegriff der Interalliierten Besatzungszeit von 1945 bis 1955 dar.
Die Soldaten der Patrouille selbst trugen grundsätzlich ihre jeweilige nationale Uniform, wobei am linken Arm (bei britischen Militärpolizisten am rechten Arm) das Ärmelschild der Internationalen Militärpolizei-Patrouille getragen wurde, welches neben der Bezeichnung „International Patrol“ auch die ebenso am Fahrzeug angebrachten Fahnen der Alliierten in der Reihenfolge Sowjetunion, Frankreich, Großbritannien und USA aufwies.
Das in die Dauerausstellung Republik & Diktatur bereits integrierte Erinnerungsstück selbst stammt aus dem umfassenden Nachlass des erst kürzlich verstorbenen Präsidenten der Veteranen-Vereinigung der vormaligen US-Streitkräfte in Österreich (USFA) Mr. Bill Billet. Der passionierte Motorradrennfahrer, Korea-Veteran und erfolgreicher Geschäftsmann hatte stets seinen Militärdienst in Österreich (1950-1954) - wie viele andere seiner Kameraden - in besonders guter Erinnerung behalten.


Bis zuletzt ließ es sich Mr. Billet nicht nehmen, gemeinsam mit seiner Frau Europa jährlich einen Besuch abzustatten, um an Veteranentreffen bzw. Gedenkfeiern (u.a. Normandie) teilzunehmen, aber auch um insbesondere nach Österreich zu kommen, um etwa Veranstaltungen des Heeresgeschichtlichen Museums („Auf Rädern und Ketten“) zu besuchen. Das Museum möchte sich an dieser Stelle insbesondere bei Mrs. Billet für die umfassenden Schenkungen aus dem Nachlass ihres geschätzten Ehemanns bedanken, der selbst dem Museum stets auf besondere Weise verbunden war.

Literatur:
Karl Fischer: Die Vier im Jeep. Die Besatzungszeit in Wien 1945-1955. Wien: Wiener Stadt- und Landesarchiv 1985 (Wiener Geschichtsblätter, Beiheft 1/1985)

www.usarmygermany.com/Sont_2.htm
www.wienerzeitung.at/nachrichten/wien/stadtleben/294431_Vier-im-Jeep-und-Vier-im-Dodge.html
bluedanubenetwork.at/index.php

Das Objekt des Monats Dezember:

Joseph Marastoni (1834-1895): Portrait Theophil Edvard Freiherr von Hansen (1813-1891)

Lithographie, signiert und datiert 1888

Theophil von Hansen wurde als Sohn eines Musikers in Kopenhagen geboren, studierte an der dortigen Bauakademie und begab sich alsbald zu dem wohl bestmöglichen Lehrmeister seiner Zeit, Karl Friedrich Schinkel (1781-1841), der den Klassizismus und Historismus in Preußen entscheidend gestaltete. 1837 zog er nach Athen, wo er die griechische bzw. hellenistische Baukunst studierte und seine ersten Bauten ausführte (Kathedrale Mariä Verkündigung, Nationales Observatorium und die Universität von Athen).


1847/48 wurde er Assistent von Ludwig Förster (1797-1863) und baute mit ihm gemeinsam das Palais Klein in Brünn sowie mehrere Mietshäuser.
Währenddessen tobte in Wien die Revolution, die dem Kaiserhaus beinahe die Krone gekostet hätte, jedoch im Oktober 1848 niedergeschlagen werden konnte. Als Absicherung gegen zukünftige Aufstände der Wiener Bevölkerung wurden ab dem folgenden Jahr sogenannte Defensionskasernen errichtet und die schon in den 1820er Jahren erstmalig aufgekommene Idee zur Schaffung eines „konzentrierten Artillerie-Etablissements“ wieder aufgegriffen. So begann bereits 1849 an einer verkehrstechnisch günstig und in Kanonenschussweite zur Innenstadt gelegenen Stelle der Bau einer gewaltigen Kasernenanlage – des Wiener Arsenals. Es sollte schließlich eine Fläche von 688 × 480 m umfassen und zu seiner Errichtung 117 Millionen Ziegel erfordern. Die nun gebauten 31 Objekte beinhalteten neben acht Kasernengebäuden für 5.000 bis 6.000 Mann und Magazinen auch eine Kirche und Werkstätten zur Herstellung von Handfeuerwaffen, Munition und Geschützen. Mit der Umsetzung dieses Bauvorhabens wurden Architekten beauftragt, von denen einige später, während der Ära des Ringstraßenbaues, eine architektonisch bedeutende Rolle einnehmen sollten, wie etwa Eduard van der Nüll (1812 – 1868),  August Sicard von Sicardsburg (1813 – 1868) (Kommandogebäude und die meisten Kasernengebäude und Magazine) und Carl Roesner (1804 – 1869) (Arsenalkirche). Im Zentrum der Anlage war jedoch von Anfang an ein neues Zeughaus vorgesehen, das neben noch in Gebrauch befindlichen zeitgenössischen Handfeuerwaffen auch die Sammlung historischer Waffen und Trophäen des Kaiserhauses aufzunehmen hatte. Mit dem Bau dieses „Zeughauses“, also des heutigen Museumsgebäudes, sowie der Gewehrfabrik und der Geschützgießerei im Arsenal wurden Ludwig Förster und Theophil Hansen gemeinsam beauftragt.


Durch ein Missverständnis kam es im Zuge der Auftragsvergabe zum Bruch zwischen Förster und Hansen, sodass letztendlich den Bauauftrag für das Museum Hansen allein erhielt und jener für die Gewehrfabrik und die Gießerei an Förster erging.

Theophil von Hansen: „Ansicht des neuen Waffenmuseums im k.k. Artillerie-Arsenal außer der Belvederelinie Wiens.“ Kolorierte Bleistiftzeichnung, signiert und datiert rechts: "TH Hansen 1853".

1850 begann unter Hansens Leitung der Bau des Museumsgebäudes mit seiner 235 m langen Front. Er stützte sich auf byzantinische und maurische Stilmerkmale, griff allerdings auch gotische Elemente auf, wie die großen runden Fenster an der Front des Mittelrisalits zeigen. Nach der Schlusssteinlegung durch Kaiser Franz Joseph I. am 8. Mai 1856 galt der Bau des Arsenals offiziell als abgeschlossen.


Die künstlerische Ausgestaltung des neuen Waffenmuseums, die man ebenfalls Theophil Hansen anvertraute, wurde erst 1877 mit der Aufstellung der letzten Statue in der Feldherrenhalle beendet. Nicht immer gelangten


Hansens Vorschläge zur Ausführung, wenn auch die wichtigsten Anregungen von ihm ausgingen. So zeigt sich im Verlauf der Arbeiten eine immer größere Einflussnahme des Kaisers und seiner Berater, die in zwei wesentlichen Punkten zum Ausdruck kam, nämlich in der Vergabe des Auftrages für die aufwändigen Fresken und in der Art der Aufstellung der Sammlungen. Bezüglich der Fresken strebte Hansen danach, für seine Architektur die richtige künstlerische Ergänzung zu finden, die er in den Entwürfen Carls Rahls (1812-1865) verkörpert sah. Dem Kaiser hingegen lag mehr an der Wiedergabe der für Österreichs Geschichte wesentlichen Ereignisse und ihrer streng historischen Durchführung, sodass letztendlich der von Erzherzog Ferdinand Maximilian protegierte Tiroler Maler Carl Blaas (1815-1894) beauftragt wurde. Darüber war Hansen so verärgert, dass er Wien bereits den Rücken kehren wollte, und um Haaresbreite hätte es vielleicht seine Wiener Nachfolgebauten wie Parlament, Akademie der bildenden Künste, Musikvereinsgebäude und Wiener Börse in der Form nie gegeben. Letztendlich nahm der Architekt jedoch den kaiserlichen Befehl hin und vollendete seinen Auftrag am k. k. Hofwaffenmuseum.


Theophil von Hansen schuf damit einen Prachtbau, der im Wesentlichen durch den Geist der Romantik geformt, das erste profane repräsentative Bauwerk dieser Art auf österreichischem Boden wurde. Er hatte in diesem Gebäude die verschiedensten Anregungen von Stilen der Vergangenheit mit den damals modernsten Errungenschaften des Museumsbaues zu einer Einheit gebracht.


Mit dem Bau der Wiener Ringstraße ab 1858 wurde Hansen zu einem ihrer wichtigsten Architekten. Beim Bau der beiden Wiener Hofmuseen, des Kunsthistorischen Museums und des Naturhistorischen Museums gegenüber der Hofburg, kam sein Entwurf in den 1860er Jahren allerdings nicht zum Zug. Er hatte nämlich statt der verlangten zwei Bauten an den Seiten des Maria-Theresien-Platzes einen mächtigen, zentralen Baublock vorgeschlagen, den der Kaiser ablehnte. Sein bekanntestes Werk wurde somit das 1883 eröffnete Reichsratsgebäude (Parlament), das im Stil eines attischen Tempels erbaut wurde und so auf die griechischen Anfänge der Demokratie verweist. Das von ihm erbaute, 1870 eröffnete Gebäude des Wiener Musikvereins verfügt mit dem sogenannten Goldenen Saal über einen der besten Konzertsäle der Welt. Seine vielbewunderte Akustik wird oft noch heute bei Konzertbauten nachgeahmt.


Theophil Hansen plante bzw. leitete im Verlauf seines Lebens die Bauten von über 70 Gebäuden, die meisten davon befinden sich im heutigen Österreich. Als er mit 77 Jahren verstarb, wurde er in einem großartigen Begräbnis um das Parlament herumgetragen, an Akademie, Heinrichhof und Musikverein vorbei zum Zentralfriedhof gebracht und dort in einem Ehrengrab bestattet.

Das Objekt des Monats November:

 

Vierläufige Radschlosspistole aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts

Einblick in einen der Säle des „k.k. Hof-Waffenmuseums“

Aufbauend auf bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts zurückreichende, vormuseale Traditionen des kaiserlichen Zeughauses in der Renngasse, wurde im  Jahr 1869 das „k.k. Hof-Waffenmuseum“ im Arsenal eröffnet. Beheimatet war es im heutigen Heeresgeschichtlichen Museum und damit im ersten Gebäude Wiens, das ausdrücklich für museale Zwecke errichtet worden war. Jedoch stand diesem Museum nur ein kleiner Teil dieses Gebäudes zur Verfügung, das noch bis zum Ersten Weltkrieg überwiegend als Zeughaus für noch im Gebrauch befindliche Waffen und andere Rüstungsgüter diente. Ausgestellt wurden hier Waffen und Rüstungen aus kaiserlichen Sammlungen und zwar vorwiegend solche, die in künstlerischer oder historischer Hinsicht von besonderem Wert waren, darunter viele die mit bekannten Persönlichkeiten verbunden waren.

Obwohl nach zeitgenössisch modernen Gesichtspunkten wissenschaftlich neu geordnet, stand diese Einrichtung somit noch immer in der Tradition der Waffen- und Rüstkammern und war somit noch nicht als Armee- oder Heeresmuseum zu bezeichnen – ein Museumstypus der sich erst wenige Jahres später europaweit etablieren sollte. Die Unterstellung dieses „k.k.Hof-Waffenmuseums“ unter die Kunsthistorischen Sammlungen des Kaiserhauses und die damit verbundene, nachfolgende

Übersiedlung in das neue Gebäude des  „Kunsthistorischen Hofmuseums“ am Ring boten dann erst die Möglichkeit ein tatsächlich der Entwicklung des kaiserlichen Heeres gewidmetes Armeemuseum im Arsenal zu schaffen. Ein solches wurde mit dem k.(u.)k. Heeresmuseum 1885 begegründet und 1891
eröffnet.

Wie die ersten Kataloge des „k.k. Hof-Waffenmuseums“ zeigen, war diese Pistole bereits von Beginn an dort ausgestellt. Nach 1945 gehörte sie jedoch nicht mehr zur Dauerstellung des neuen Heeresgeschichtlichen Museums und ist nun im Rahmen der Ausstellung „125 Jahre Heeresgeschichtliches Museums“ erstmals seit Jahrzehnten wieder zu sehen.

Abbildung der vorgestellten Radschlosspistole (Fig. 7)
in einem frühen Werk über das Hof-Waffenmuseum:
Quirin Leitner, Die Waffensammlung des österreichischen
Kaiserhauses im k.k. Artillerie-Arsenal-Museum in Wien,
Wien 1866-1870.

Das Objekt des Monats Oktober:

Modell des Schiffes S.M.S. Erzherzog Karl vom Marine Schauspiel der Kriegsausstellung im Prater, 1917  

 

Teil eines Schützengrabens des Ausstellungs-
bereiches „Im Felde“ der Kriegsausstellung von
1916 auf einer Fotopostkarte der „Hoch- und
Deutschmeister“

Das k.u.k. Heeresmuseum war zwar - vom 27. Juli 1914 an - für die Dauer des gesamten Ersten Weltkrieges für den Besuch geschlossen. Dennoch beteiligte es sich neben seiner Hauptaufgabe, dem Sammeln von Sachzeugnissen zum damals gegenwärtigen Kriegsgeschehen, an verschiedenen Ausstellungen unter denen insbesondere die beiden „Kriegsausstellungen“ im Wiener Prater hervortreten.

Der Direktor des Heeresmuseums Dr. Wilhelm John war Mitglied der Arbeitsausschüsse beider Jahre und in jenem des Jahres 1917 sogar Vizepräsident. Zahlreiche Exponate entstammten der Sammlung des Museums.

Organisiert wurden diese „Kriegsausstellungen“ jedoch von einer Vielzahl an Institutionen, Vereinigungen und Unternehmen im Rahmen der offiziellen Kriegsfürsorge, deren Aktivitäten mit dem Reinerlös unterstützt wurden. Hauptzweck der beiden Großausstellungen war allerdings ein propagandistischer. Sie sollten dazu beitragen in der Bevölkerung die Bereitschaft wach zu erhalten, die gewaltigen Kriegslasten auch weiterhin mitzutragen.

Dazu wurde, anknüpfend an die Tradition ziviler Großausstellungen der Vorkriegszeit, angestrebt, in vielfältigen Ausstellungsbereichen nicht nur das militärische Potential der Truppen Österreich-Ungarns und seiner Verbündeten, sondern auch die Leistungs-, Anpassungs- und Durchhaltefähigkeit der Kriegswirtschaft und des Hinterlandes im Allgemeinen zu demonstrieren und einen vermeintlich authentischen Eindruck zu bieten, mit welchen Mitteln und unter welchen Bedingungen die Kämpfe an den Fronten stattfanden. Zudem  sollte der Bevölkerung vermittelt werden, dass „für die Angehörigen der Armee in jeder Richtung gesorgt wird“ und „hilfsbereite Kräfte sich ihrer annehmen, wenn sie deren bedürfen“ wie es im Vorwort zum Katalog der Kriegsausstellung von 1916 hieß.

 

Nachgebaute Felddruckerei in der
Kriegsausstellung im Wiener Prater,
abgebildet auf einer zeitgenössischen
Fotopostkarte.

Um diesen von den Organisatoren formulierten Zielsetzungen gerecht zu werden, wurden vielfältige Themen aufgegriffen, die weit über die Ausstellung militärischen Gerätes hinausgingen und von der Bedeutung von Tieren, der Kunst und der Literatur im Krieg, bis hin zu religiösen Einrichtungen, dem Feldpostwesen oder Aspekten der Kriegsgefangenschaft reichten. Mit themenparkartig anmutenden Elementen wie Feldkinos, Theatervorführungen, nachgebauten Stellungssystemen, Karstunterständen, Felddruckereien oder vorgeblich authentisch feldmäßigen Verköstigungsstationen sollten die Besucher auf kurzweilige und erlebnisorientierte Weise angesprochen werden.

Zu diesen Teilen der Ausstellung gehörte auch das sogenannte „Marineschauspiel“. Hier wurden mit selbstfahrenden Schiffs- und U-Bootmodellen in einem großen Wasserbecken Seeschlachten nachgestellt.

Zum Einsatz gelangte dabei auch das vorgestellte Schiffsmodell der S.M.S. Erzherzog Karl, das mit einem Uhrwerk ausgestattet ist und von der deutschen Firma Bing, einem 1866 in Nürnberg etablierten und auf Haushalts- und Spielwaren spezialisierten Firma, hergestellt wurde.

Das Objekt des Monats September:

Geschoßkörper einer beim Wiederaufbau des Museums im Jahr 1954 explodierten italienischen 149 mm Artillerie- Granate (149A camp.)

 

Der zerstörte Nordostflügel
des Museumsgebäudes bei
Kriegsende

Durch mehrere Bombentreffer, die das Museum seit dem September 1944 bei mehreren Luftangriffen erlitten hatte, sowie durch die Auswirkungen der Erdkämpfe am Arsenalgelände im April 1945 war das Museumsgebäude massiv beschädigt worden. Besonders schwer betroffen war der weitgehend zerstörte Nordostflügel. Der Fortbestand des damaligen „Heeresmuseums“ war somit nach Kriegsende zunächst durchaus ungewiss. Schließlich waren auch die übrigen Gebäude des Arsenals durchschnittlich bis zu 50 Prozent beschädigt, weshalb ein Wiederaufbau enorme Kosten verursachen musste. Zumal aber auch ein Abriss aller Arsenalbauten nach dem Geldwert von 1946 11 Millionen Schilling (inflationsbereinigt heute:  41,5 Mio. Euro) gekostet hätte, wurde diese Option verworfen. Bereits im Herbst 1946 konnte daher die Wiederherstellung des Museumsgebäudes beginnen.

Doch in Jahren großer materieller Not und besonders beschränkter finanzieller Mittel des Staates war es nicht einfach und auch nicht unumstritten ausreichend Gelder für diesen Zweck zur Verfügung zu stellen. Immerhin hatte alleine der Wiederaufbau des Museumsgebäudes bis 1952 Kosten von 16 Millionen Schilling (inflationsbereinigt heute: 8,5 Mio. Euro) verursacht.  Daher erklärte sich das Museum bereit, durch Veräußerung von Sammlungsbeständen auch selbst einen finanziellen Beitrag

zu leisten. Zur Gewinnung von Buntmetallen wurden daher zahlreiche Geschütze ausgeschieden und eingeschmolzen – am bekanntesten darunter das 38 to schwere, so genannte „Uchatius-Rohr“.

Das Objekt des Monats August:

Dienstuniform eines Wehrmachtsbeamten im Generalsrang

 

Direktor „General-Kustos“
Alfred Mell (1880-1962)

Diese von „General-Kustos“ Hofrat Direktor Dr.iur. Alfred Mell (1880-1962) ab Herbst 1938 getragene Feldbluse ist insofern bemerkenswert, da es sich um eine entsprechend umgearbeitete, vormalige Uniform des österreichischen Bundesheeres der 1. Republik handelt.

Der am 2. August 1880 in Graz geborene Alfred Mell trat bereits 1906 als junger Konservator in den musealen Dienst des k.u.k. Heeresmuseums ein und war unter anderem maßgeblich an der Gestaltung der Erzherzog Carl Ausstellung (1909) unter Leitung des damaligen Direktor Dr. Wilhelm John beteiligt. Während des ersten Weltkrieges sollte Mell primär auf den verschiedenen Kriegsschauplätzen (u.a. am Balkan) Artefakte für die Sammlungen des Museums sammeln - eine Tätigkeit, die er auch während des folgenden Krieges wahrnehmen sollte. Nachdem er zunächst 1918 die Leitung der Bibliothek des Kriegsarchiv übernommen hatte, wurde er nach dem unerwarteten Tod Johns im Jahre 1934 zu seinem Nachfolger bestimmt, eine Funktion, die er letztlich bis zum Jahre 1949 ausüben sollte.

Während des Zweiten Weltkriegs fanden
zahlreiche, von den Nationalsozialisten
bewusst propagandistisch ausgerichtete
Ausstellungen mit Bezug zum damals
aktuellen Kriegsgeschehen statt.

Der „Anschluss“ Österreichs an NS-Deutschland im Jahre 1938 hatte zwangsläufig auch für das Heeresmuseum weitreichende Folgen, da sich Führungen und Ausstellungen unmittelbar am „großdeutschen“ Geschichtsbild der Nationalsozialisten zu orientieren hatten und so für die propagandistischen Anliegen des Regimes auch entsprechend instrumentalisiert wurden. 

 

Alfred Mell begrüßte zunächst die unmittelbare Neu-Strukturierung, erhoffte er sich hierdurch doch Zustimmung für die Realisierung des seinerseits mit entsprechendem Engagement verfolgten Projekts einer Verlegung des Heeresmuseums „von der Peripherie“ in den Mitteltrakt der Neuen Hofburg. Diese blieb ihm jedoch letztlich verwehrt. Mit der Unterstellung unter den „Chef der Heeresmuseen“ in Berlin, diente das Museum im Arsenal vielmehr in weiterer Folge primär als Ort von „Leistungsschauen“ der Wehrmacht, die ganz im Sinne der NS-Propaganda Werbung für den Krieg machen sollten. Ideologische Vorgaben wirkten sich dabei sowohl auf die Art der Neuerwerbungen, als auch auf bisher in der Ausstellung vertretene Exponate selbst aus.

Eröffnung der „Sonderschau Kampfraum Südost“ 1944
Generaloberst Alexander Löhr, ein hoher Befehlshaber
der Wehrmacht am Balkan (Heeresgruppe E) und
General-Kustos Direktor Dr. Alfred Mell (links im Bild)
beim Besichtigen der Propagandaschau.

Gegen Ende des Krieges sollte das Heeresmuseum jedoch selbst mit der Realität des Krieges konfrontiert werden. Mehrere alliierte Luftangriffe, nicht zuletzt aber auch durch unmittelbare Kampfeinwirkungen und Plünderungen in der Nachkriegszeit verursachten massive Schäden an Museumsgebäude, Depots und Kanzleien, wodurch knapp 40% der Sammlungsbestände verloren gingen.

Das Objekt des Monats Juli:

Marschallskappe aus dem Besitz von Kaiser Maximilian I. von Mexiko (1832-1867)

 

Kaiser Maximilian von Mexiko
(1832-1867)

 

Diese der französischen Armee nachempfundene Kopfbedeckung eines Marschalls der kaiserlich-mexikanischen Armee stammt aus dem Nachlass von Erzherzog Ferdinand Maximilian (1832-1867), der auf Betreiben des französischen Kaisers Napoleon III. (1808-1873) im Jahre 1864 zum Kaiser von Mexiko gekrönt worden war.
 
Die Situation in dem wirtschaftlich darniederliegenden und vom Bürgerkrieg stark gezeichneten Land war von Anfang für den Bruder Kaiser Franz Joseph I. (1830-1916) schwierig und verschlechterte sich mit dem Vormarsch der republikanischen Truppen von Benito Juárez (1806-1872) zusehends. Mit dem Abzug der letzten französischen Interventionstruppen 1867 war das Schicksal des jungen Kaiserreiches letztlich besiegelt. Maximilian wurde mit den letzten ihm loyal gebliebenen Truppen in Querétaro eingeschlossen und nach der Eroberung der Stadt durch General Mariano Escobedo de la Pena (1827-1902) von diesem vor ein Kriegsgericht gestellt und schließlich am 19. Juni 1867 standrechtlich erschossen.

Teile von Hollitzers Sammlung in
dessen Privatwohnung
Bericht der Illustrierten „Bunte Woche“ über
die Versteigerung der Sammlung Hollitzer

Die Kappe stammt aus der Sammlung des Künstlers Carl Hollitzer (1874-1942) der selbst aus einer wohlhabenden Unternehmerfamilie stammte und bereits seit seinem 16. Lebensjahr mit großer Leidenschaft Militaria aller Art sammelte und im Laufe seines Lebens eine der europaweit bedeutendsten privaten heereskundlichen Sammlungen schuf (siehe zu seiner Person auch das Objekt des Monats Juni).

Aus den noch zu Hollitzers Lebzeiten, im Mai 1934, zur Versteigerung gelangten Teilen seiner Sammlung erwarb das Heeresmuseum allein mehr als achtzig Objekte, wofür seitens des Bundesministerium für Landesverteidigung damals ein Sonderbudget von 26.300 Schilling (umgerechnet ca. 92.200€) zur Verfügung gestellt wurde.

Die  Marschallskappe, deren Authentizität durch ein zeitgenössisches Attest des Leibarztes Maximilians, Samuel Siegfried Karl (1837-1905) bestätigt ist, der selbst im Mai 1867 in Quererataro eingeschlossen wurde und schließlich den Leichnam des Kaisers auf der Fregatte Novara zurück nach Europa begleitete, stellt sicherlich eines der ungewöhnlichsten Stücke des Museums dar und dokumentiert auf besondere Weise ein schicksalhaftes Kapitel der österreichisch-mexikanischen Beziehungen.

Das Objekt des Monats Juni:

Carl Leopold Hollitzer (1874-1942): Karikatur Wilhelm John

Mischtechnik auf Papier, 1914/15

Karikatur
Carl Hollitzer
Carl Hollitzer als Kriegsmaler am Bahnhof von Lemberg

Der Künstler

Carl Leopold Hollitzer kam aus einer wohl situierten Familie: Sein Vater war Ortsrichter und Bürgermeister von Bad Deutsch-Altenburg sowie Steinbruchbesitzer, der durch Aufträge im Zuge der Donauregulierung ein Vermögen machte. Der künstlerisch begabte Carl Leopold studierte an der Akademie der bildenden Künste vorwiegend Schlachtenmalerei und sang in Kabaretts. In weiterer Folge gründete er die Künstlervereinigung „Jungbund“ und wirkte auch als deren Präsident; später gehörte er dem Künstlerhaus Wien an. Hollitzer hatte ein ausgesprochenes Faible für Militärgeschichte und sammelte im Lauf seines Lebens einen umfangreichen Bestand an Waffen und Uniformen, aber auch Gemälde und Grafiken mit militärhistorischen Sujets an. Als bildender Künstler blieb er der Nachwelt vor allem als Karikaturist in Erinnerung, wobei er viele berühmte Persönlichkeiten seiner Zeit, u. a. Gustav Klimt, Karl Kraus, Hermann Bahr, Egon Friedell, Peter Altenberg und Alexander Pock in dieser bildlichen Form der Satire festhielt.

Die Karikatur

Sofort nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde Hollitzer als Kriegsmaler in das k.u.k. Kriegspressequartier (KPQ) aufgenommen. Diese Künstler hatten in der k.u.k. Armee nicht gerade den besten Ruf, denn stets haftete ihnen das Stigma eines Drückbergers oder Faulpelzes an. Hollitzer soll dieser nicht gerade schmeichelhaften Reputation alle Ehre gemacht haben. So bezeichnete ihn sein Kriegsmaler-Kollege Ludwig Hesshaimer als „wohlhabenden Bohemien“, der „faul und boshaft“ gewesen wäre: „Am liebsten saß er in Kabaretts, wo er Landsknechtslieder sang; oder in Kaffeehäusern, wo er auf Papierservietten und Bierdeckeln seine Umgebung in bissiger Weise karikierte“, so Hesshaimer. Zu dieser seiner Umgebung zählte auch der Direktor des k.u.k. Heeresmuseums Artillerieoberingenieur Dr. Wilhelm John (1877-1934), der ab 1914 als Kommandant der Kunstgruppe im KPQ Hollitzers unmittelbarer Vorgesetzter war. Dass Hollitzer von der Autorität des um drei Jahre jüngeren John nicht sonderlich viel hielt, manifestiert sich in der vorliegenden Karikatur, die 1914/15 entstanden sein muss, da hier John noch als Artillerieoberingenieur 2. Klasse (=Oberstleutnant) dargestellt ist, er aber bereits 1915 zum Artillerieoberingenieur 1. Klasse (=Oberst) befördert wurde. Hollitzer stellt John als aufgeblasenen Gockel dar, mit weit vorgestreckter Brust und sehr markant betontem „Bürzel“, aus dem vier Hahnenfedern wachsen. Ob John dieses Blatt jemals zu Gesicht bekam, ist nicht bekannt. Es wurde 1954 durch das Heeresgeschichtliche Museum von einer Erbin nach Carl Leopold Hollitzer erworben.

Der Dargestellte

Wilhelm John war eine der prägendsten Persönlichkeiten in der bislang 125jährigen Geschichte des Heeresgeschichtlichen Museums. Während seine beiden Vorgänger, die sogenannten „Konservatoren“ Major Camillo Freiherr von Althaus und Dr. Wilhelm Erben, den organisatorischen Aufbau des Museums bewirkten und damit zum Teil noch jahrzehntelang nachwirkende Leistungen vollbracht hatten, war die Amtszeit von John durch mehrfache innovative Impulse und den folgenreichen Einschnitt des Ersten Weltkrieges gekennzeichnet. 1877 geboren, begann John als promovierter Historiker, Absolvent des österreichischen Institutes für Geschichtsforschung und Leutnant der Reserve im Jahr 1903 als „wissenschaftliche Hilfskraft“ am Museum zu arbeiten. Schon im Jahr darauf trat er im Alter von nur 27 Jahren die Nachfolge Wilhelm Erbens als „Konservator“ an und wurde so zum bis heute jüngsten Museumsleiter in der Geschichte dieses Hauses. Ab 1909 durfte er sich dann als erster in diesem Amt als Direktor bezeichnen. Die damit verbundene symbolische Aufwertung war unter anderem durch die Verdienste Johns um die Gestaltung der „Erzherzog Carl-Ausstellung“ begründet, welche wesentlich vom k.u.k. Heeresmuseum (wie das Heeresgeschichtliche Museum damals hieß) getragen war, jedoch im Museum für Kunst und Industrie (heute: MAK) gezeigt wurde. Sie war mit 256.000 Besuchern nicht nur ein großer Publikumserfolg, sondern auch die erste Sonderausstellung des Heeresmuseums überhaupt.

Kunstgruppe des k.u.k. Kriegspressequartiers
Artillerieoberingenieur Direktor Dr. Wilhelm John als Leiter der Kunstgruppe des k.u.k. Kriegspressequartiers im Jahr 1914 (2. von links)

Während des Ersten Weltkrieges war John zunächst zum Leiter der Kunstgruppe des k.u.k. Kriegspressequartiers bestellt worden. Bis 1916 war er als solcher tätig und schuf dabei die Grundlagen für den Einsatz von bildenden Künstlern in der propagandistisch konnotierten Dokumentation des Kriegsgeschehens. Ans Museum zurückgekehrt, entwarf er ein umfassendes, weit über den traditionellen, heereskundlichen Zugang hinausgehendes und äußerst zukunftsweisendes Programm für die Sammlung von historischen Sachzeugnissen aus der Zeit des Ersten Weltkrieges. Insbesondere setzte er sich aber auch für den Aufbau einer Sammlung von Kunstwerken mit Weltkriegsbezug ein. Künstlerinnen und Künstler wurden durch den Ankauf von Werken, durch die Einteilung als Sammeloffizier des Museums und damit einhergehender Bewahrung vor gefährlicheren militärischen Verwendungen oder durch eine Anstellung am Museum selbst unterstützt. Letzteres eröffnete die Möglichkeit, das eigene künstlerische Schaffen fortzusetzen – so wie etwa bei Anton Faistauer und Egon Schiele. Nach dem Krieg sollte es Direktor John gelingen, den Fortbestand des Museums zu sichern, obwohl das vormalige k.u.k. Heeresmuseum zunächst zur „Liquidierungsmasse“ des untergangenen Habsburgerreiches gehörte. Auch die Sammlung des Museums konnte trotz substantieller Abtretungen an Ungarn im Wesentlichen erhalten werden. Vorrangiges Anliegen als Direktor des nunmehrigen „Österreichischen Heeresmuseums“ war für John die museale Aufarbeitung und Repräsentation des Weltkrieges. Seine diesbezüglichen weitreichenden und ambitionierten Pläne konnte er jedoch nur noch in Ansätzen umsetzen. 1923 wurde mit der „Kriegsbildergalerie“ erstmalig der erst wenige Jahre zurückliegende Krieg in die Dauerausstellung integriert, damit der erste neue Ausstellungsbereich seit der Eröffnung 1891 geschaffen und der bildenden Kunst nun auch ein wesentlich höherer Stellenwert als früher eingeräumt. Die Eröffnung weiterer Säle im Jahr 1934 erlebte John, der überraschend am 19.3.1934 und damit nicht einmal 57jährig verstarb, nicht mehr.

Die seltene Gelegenheit dieses Objekt des Monats zu besichtigen bietet sich in der derzeit laufenden Sonderausstellung „125 Jahre Heeresgeschichtliches Museum“.

 

 

Das Objekt des Monats Mai:

Bildnisbüste  „Erzherzog Carl als Hoch- und Deutschmeister“  von Elias Hütter (1774-1865)

Diese von Elias Hütter um das Jahr 1802 aus Biskuitporzellan geschaffene Bildnisbüste zeigt Erzherzog Carl (1771-1847) in noch jungen Jahren in der Würde eines Hochmeisters des Deutschen Ordens und damit in einem Amt, welches er nur zwischen 1801 und 1804 bekleidete.

Biskuitporzellan wurde Mitte des 18. Jahrhunderts erstmalig hergestellt, ist zweimal gebrannt und nicht glasiert, hat ein marmorähnliches Erscheinungsbild und ermöglicht eine besonders naturalistische Modellierung. Elias Hütter, 1788 Student der Wiener Akademie der bildenden Künste und ab 1789 Angehöriger der Wiener Porzellanmanufaktur, war auf Plastiken aus diesem Material spezialisiert. Bis zum Jahr 1857 wirkte er in diesem Unternehmen und wurde in jener Zeit insbesondere für seine Büsten aus Biskuitporzellan bekannt.  Sein Spezialgebiet waren  Portraitbüsten, die er für Mitglieder des Kaiserhauses  und für Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens anfertigte. Nach der Fertigstellung der Büste für Erzherzog Carl im Jahr 1807 folgten  weitere Aufträge für vier Erzherzöge. Von 18 Porzellanplastiken, die sich ehemals in kaiserlichem Besitz befanden, ist Hütter als Schöpfer von sieben belegt.

 

 

Einblick in den "Hauptsaal" der "Erzherzog Carl-Ausstellung"

Das Heeresgeschichtliche Museum verfügt zwar über eine weitere Büste mit gleicher Darstellung von Anton Grassi (1755-1807), dennoch sind Ausführungen Erzherzog Carls als „Hoch-und Deutschmeister“ vergleichsweise selten. Als einer der bedeutendsten Feldherren in der Geschichte des Habsburgerreiches, nimmt er als „Gegenspieler Napoleon Bonapartes“ und „Sieger von Aspern“ einen besonderen Platz ein und ist daher in zahlreichen Werken der bildenden Kunst verewigt.

Militärische Ausstellungsstücke, wie Uniformen und Waffen aus dem Besitz Erzherzog Carls  sowie zahlreiche Kunstwerke seine Person betreffend, stellen daher im Heeresgeschichtlichen Museum einen wesentlichen Teil der Sammlung dar. Verdeutlicht wird dies unter anderem  durch  Fresken in der Ruhmeshalle von Karl Blaas (1815-1894),  Monumentalgemälde von Johann Peter Krafft (1780-1856) sowie durch das überlebensgroße Gipsmodell des Erzherzog-Carl-Denkmals am Wiener Heldenplatz von Anton Dominik Fernkorn (1813-1878).

Exponate zu Erzherzog Karl
in der Dauerausstellung des
k.u.k. Heeresmuseums 1895.

Erzherzog Carl stand auch im Zentrum des größten Ausstellungsprojektes des Heeresgeschichtlichen Museums vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges. 1909 organisierte das k.u.k. Heeresmuseum (wie das HGM damals hieß) aus Anlass des Jahrestages der Schlacht von Aspern die im Museum für Kunst und Industrie (heute: MAK) gezeigte „Erzherzog Carl Ausstellung“. Im Zusammenwirken mehrerer öffentlicher Sammlungen Wiens und unterstützt von 398 Leihgebern aus Österreich-Ungarn, Frankreich und Deutschland, entstand eine umfangreiche Schau, die das Leben des Erzherzogs aus verschiedensten Blickwinkeln beleuchtete und insgesamt mehr als 265.000 Besucher anzog. Viele der heute den „Saal der Revolutionen“ prägenden Kunstwerke mit Bezug zu Erzherzog Carl waren hier erstmals zusammen ausgestellt und kamen erst später an das Heeresgeschichtliche Museum. Bemerkenswert war bei dieser Ausstellung die für zeitgenössische Verhältnisse moderne Ausstellungsarchitektur, die sich deutlich von der damals noch bestehenden, um 1890 geschaffenen, Dauerausstellung des Heeresmuseums unterschied und dort erst in der Zwischenkriegszeit und zum Teil auch erst nach 1945 umgesetzt werden konnte.

 

 

Das Objekt des Monats April:

Infanterie-Offizierssäbel M1861 aus dem Besitz von Erzherzog Wilhelm (1827-1894)

Das aktuelle Objekt des Monats ist auf ganz besondere Weise mit den Anfängen des Heeresgeschichtlichen Museums verbunden. Schließlich stammt es aus dem Besitz Erzherzog Wilhelms, Hochmeister des Deutschen Ordens und Generalartillerie-Inspektor, auf dessen Initiative die Gründung des am 25. Mai 1891 unter der Bezeichnung „k.u.k. Heeresmuseum“ eröffneten Heeresgeschichtlichen Museums zurückgeht. 

Der Säbel entspricht dem Standardmuster des Infanteriesäbels Muster 1861, welches das meist erzeugte Modell des k.u.k. Heeres war. Es war nicht nur für die Offiziere der Infanterie vorgesehen, wie der Name vermuten lassen würde, sondern wurde auch von Generälen, Militär- Ärzten und vielen anderen Offizieren getragen.  

Das hier vorgestellte Exemplar zeichnet sich jedoch durch eine, von „Haussmann“ erzeugte, reich floral verzierte und mit dem Bildnis des jungen Kaisers sowie seines allerhöchsten Namenszuges verzierte Stabrückenklinge aus. Auf der Korbinnenseite ist ein vergoldetes „W“ mit überhöhter Erzherzogskrone eingraviert.

©HGM/ Ölgemälde von Theodor Breitwieser (1847-1930):
Reiterportrait Erzherzog Wilhelm von Österreich

In die Sammlung des HGM gelangte dieses Objekt bereits im Jahr 1894 und damit kurz nach dem Tod Erzherzog Wilhelms der im selben Jahr an den Folgen eines Reitunfalls verstorben war. Dass sein Neffe und Nachfolger im Amt des Hochmeisters des Deutschen Ordens, Erzherzog Eugen (1863-1954), diesen Säbel gemeinsam mit weiteren persönlichen Stücken aus dem Nachlass Erzherzog Wilhelms dem k.u.k. Heeresmuseum überließ,  hat damit zu tun, dass Wilhelm dem Museum auf spezielle Weise verbunden war.
1881 wurde das seit 1869 im Arsenal bestehende k.k. Hof-Waffenmuseum  dem k.k. Kunsthistorischen Hofmuseum angegliedert. Generalartillerieinspektor Erzherzog Wilhelm und der Artillerie-Arsenaldirektor Feldzeugmeister Tiller (1816-1896) erkannten rasch, dass sich durch die damit absehbar gewordene Übersiedelung des Hof-Waffenmuseums in das gerade im Bau befindliche neue Gebäude des Kunsthistorischen Hofmuseums am Ring die Chance ergeben würde, in dem prächtigen Museumsbau Theophil Hansens im Arsenal ein der k.k. Armee gewidmetes Museum einzurichten.

© HGM/ Erzherzog Wilhelm im Mai 1880

Erzherzog Wilhelm knüpfte an eine derartige Institution die Erwartung, nach dem Vorbild ähnlicher Museen in Frankreich und Spanien, nicht nur einen Ort für die Würdigung des Heeres der Habsburgermonarchie zu schaffen, sondern so auch zur „Anregung des Nationalgefühles“ -also der Identifikation mit dem österreichisch-ungarischen Gesamtstaat - beizutragen.  Erste Initiativen der beiden Offiziere stießen allerdings aus finanziellen Gründen auf Widerstand.


1885 hatten sie dann jedoch ihr Ziel erreicht: Kaiser Franz Joseph genehmigte am 5. Februar jenes Jahres die Etablierung eines Kuratoriums, welches den Aufbau des Heeresmuseums leiten sollte.  
Unter dem Protektorat  Kronprinz Rudolfs (1858-1889) stehend, setzte sich dieses Gremium aus hohen Militärs, wissenschaftlichen Sachverständigen und Honoratioren zusammen. Großen Anteil  an der Etablierung des Heeresmuseums hatte jedoch auch weiterhin Erzherzog Wilhelm, dem innerhalb des Kuratoriums als Protector-Stellvertreter eine zentrale Rolle zufiel.


Übrigens  war nach dem Selbstmord Kronprinz Rudolfs Anfang 1889 neben Erzherzog Wilhelm  auch noch ein weiterer der im k.u.k. Heer  der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts so einflussreichen Nachfahren Erzherzog Karls (1771-1847) im Kuratorium vertreten. Wilhelms Bruder Albrecht (1817-1895), Generalinspektor und höchstrangiger Offizier der österreichisch-ungarischen Streitkräfte,  trat die Nachfolge als Protektor des Heeresmuseum an. Eine Tradition die nach dem Tod der beiden Brüder dadurch fortgeführt werden sollte, dass deren Neffe Erzherzog Friedrich (1856-1936) – der spätere Armeeoberkommandant im Ersten Weltkrieg – das Amt des Protektors des Heeresmuseums übernahm und bis zur Auflösung des Kuratoriums behielt.

Der Säbel wird ab 26. Mai 2016 im Zuge der Sonderausstellung zu sehen sein.

Objekt des Monats März:

Aquarell des Künstlers Rudolf Ritter von Alt: 

Rudolf Ritter von Alt (1812-1905)
Ansicht des k.k. Waffenmuseums im Arsenal
Signiert und datiert: "R. Alt 857"
Aquarell auf Papier, 14,1 x 20,6 cm
Rudolf von Alt, Selbstporträt (1890) (Quelle: Wikipedia)

Am 15. April 1850 wurde mit dem Bau des neuen k.k. Waffenmuseums nach den Plänen des dänischen Architekten Theophil Edvard von Hansen (1813-1891) begonnen. Bereits sechs Jahre später war das 235 Meter lange Gebäude fertiggestellt, die Schlusssteinlegung erfolgte unter Anwesenheit von Kaiser Franz Joseph I. (1830-1916) am 8. Mai 1856. So präsentierte sich der neue Museumsbau dem hochrenommierten Wiener Maler und meisterhaften Beherrscher des Aquarells Rudolf von Alt, dem wir heute die älteste Darstellung des Museums verdanken.

Rudolf von Alt stammte aus einer Wiener Malerfamilie und lernte bei seinem Vater Jakob Alt (1789–1872) in dessen Werkstatt, wo er bereits als Kind die Lithographien des Vaters kolorierte. In den Jahren von 1825 bis 1832 studierte Alt an der Wiener Akademie der bildenden Künste, u. a. in der Landschaftsklasse von Josef Mössmer (1780-1845). Es folgten umfangreiche Studienreisen in die Kronländer der Monarchie, die er gemeinsam mit seinem Vater unternahm. Während dieser Reise entstanden auch die legendären „Guckkastenbilder“, die dem späteren Kaiser Ferdinand I. (1793-1875) landschaftliche Eindrücke des Kaisertums Österreich veranschaulichen sollten.

Im Revolutionsjahr 1848 meldete sich Rudolf von Alt freiwillig bei der Wiener Bürgergarde. Im Oktober wurde ihm die Revolution bald zu radikal, und so flüchtete er nach Traismauer. Es folgten weitere Studienreisen durch ganz Europa (1863 Krim, 1864 Deutschland und 1867 Italien). 1879 erhielt Alt eine Professur an der Wiener Akademie. 1897 schloss sich als Gründungsmitglied der Wiener Secession an und wurde noch im selben Jahr deren Ehrenpräsident. Ebenso im selben Jahr wurde Alt in den Adelsstand erhoben. Er wurde zu einem der produktivsten und populärsten Künstler des 19. Jahrhunderts in Wien. Während seiner 92 Lebensjahre schuf er über 1000 Aquarelle, die topografisch genau und atmosphärisch stimmungsvoll das Österreich der damaligen Zeit, sowohl Landschaften als auch vor allem Architektur, festhalten. Besonders bekannt sind seinen Darstellungen des Wiener Stephansdoms, den er über 100 mal bildlich festhielt. Ölbilder gibt es von Alt nur relativ wenige, ein solches dieser Werke befindet sich ebenfalls in den Sammlungen des Heeresgeschichtlichen Museums (Ansicht des Markusplatzes in Venedig mit Blick auf den Dom San Marco mit Campanile, mit österreichischem Militär, Saal IV). 

Rudolf von Alt (1812-1905)
Ansicht des Markusplatzes in Venedig mit österreichischem Militär.
Signiert "R.ALT"; undatiert.
Öl auf Leinwand, 35 x 44 cm

Objekt des Monats Februar:

Selbst angefertigtes Schachbrett von Josef Strunz – Angehöriger der k.u.k. Armee und russischer Kriegsgefangener im Ersten Weltkrieg.

Die Depots und Ausstellungen des Heeresgeschichtlichen Museums bewahren nicht nur Objekte, welche die großen Schlachten und Persönlichkeiten des Krieges erzählen. Ebenso einzigartig ist seine Sammlung über den militärischen Alltag und das Leben der einfachen Soldaten. Desto persönlicher die Gegenstände scheinen, umso spannender sind zumeist auch die in ihnen verborgenen Geschichten. Dies gilt im Besonderen auch für jene Objekte, die stellvertretend über die ca. acht bis neun Millionen Kriegsgefangenen im Ersten Wetlkrieg berichten.

Kriegsgefangene verbrachten ihren Alltag in Barackenlagern zumeist im Inneren des feindlichen Hinterlandes oder im militärisch verwalteten Etappenbereich zwischen diesem und der Front. Monotonie, Langeweile, Heimweh und zwangsweise angeordnete Arbeiten wie die Säuberung von Schlachtfeldern oder die Instandsetzung frequentierter Marschrouten, prägten ihr Leben. Um dem eintönigen Alltag zu entgehen, versuchten zumeist Offiziere und solche mit höheren Rängen ihre Zeit aktiv zu gestalten, denn sie wurden im Gegensatz zu den einfachen Soldaten kaum zur Zwangsarbeit verpflichtet und besaßen daher auch die nötige Zeit. Neben diversen kulturellen Betätigungen standen auch Brettspiele auf dem Programm. Besonders geschätzt auf beiden Seiten der Front war Schach, dessen Spielbrett und Figuren von den Kriegsgefangenen in Eigenregie per Hand geschnitzt wurden.

Im Depot des Heeresgeschichtlichen Museums befindet sich ein ganz spezielles Schachspiel. Es berichtet über die Geschichte eines Unteroffiziers der k.u.k. Armee, der im Kaukasus in russische Kriegsgefangenschaft geriet. Genauer gehörte das Schachspiel dem k.k. Stabsfeldwebel Josef Strunz des Kremser k.k. Sappeurbataillon Nr. 2. Der Inschrift im Inneren des Schachspiels ist zu entnehmen, dass Strunz am 1. Juli 1917 in Gefangenschaft ging und am 2. Juli 1918 – nach dem Frieden von Brest-Litowsk – frei kam.

Das Besondere an diesem hölzernen Schachspiel ist aber weniger die Innschrift in seinem Inneren, sondern vielmehr das Spielbrett selbst, das mit seiner ungewöhnlichen Buchstabenfolge einen vorerst etwas sonderbaren Eindruck macht. Auf den hellen Feldern sind rote, auf den schwarzen weiße Buchstaben aufgemalt. Genauer sind sie Teil eines Rätsels. Im Inneren des Schachspieles, das wie eine aufklappbare Schatulle gearbeitete wurde, bewahrte Josef Strunz nicht nur die von ihm wunderschön geschnitzten braunen und schwarzen Spielfiguren auf, sondern auch ein Stück Papier, das zu gewissen Spielzügen anleitet. Diese sind auch der Schlüssel des Rätsels, denn folgt man ihnen, so dechiffrieren sich die Buchstaben am Schachbrett zu einer Botschaft, genauer zu einer Liebeserklärung, nämlich: „In schwerer bittrer Zeit gedenke ich meiner lieben goldenen Antschi in Liebe.“ Leider verliert sich mit der Freilassung von Josef Strunz am 2. Juli 1918 auch seine Spur. Ob er seine „Antschi“ wieder gesehen hat, bleibt also offen.

Das Schachspiel war jedenfalls 2011 ein Dachbodenfund und wurde dem Heeresgeschichtlichen Museum als Schenkung überlassen. Seitdem lagert es aber nicht stets nur kurz im Depot des Hauses, vielmehr ist es in den verschiedensten Sonderausstellungen des Landes immer wieder zu sehen. Gut so, denn als Leihgabe für andere Ausstellungen lässt dieses einzigartige Schachspiel die Geschichte des einfachen Soldaten Josef Strunz für ein großes wie vielfältiges Publikum nicht in Vergessenheit geraten. In der Saalgruppe über den Ersten Weltkrieg des Heeresgeschichtlichen Museums selbst, widmet sich ein eigener Ausstellungsbereich ebenso dem Thema der Kriegsgefangenen. Kleidungsstücke, selbstgemachte Musikinstrumente oder sogar ein weiteres Schachspiel, erzählen wiederum andere – ganz persönliche – Geschichten von Kriegsgefangenen.  

Freigestellte Objektfotos und Archiv-Scan „Ö-U Kriegsgefangene in Beresowka“ © HGM
Foto der Vitrine in der Saalgruppe Erster Weltkrieg© Nadja Meister

Das Objekt des Monats Jänner:

Das Auto von Sarajevo:

 

Der Sarajevo-Saal unmittelbar zum Eingang zur Saalgruppe „1. Weltkrieg“, präsentiert eines der Leitobjekte des Heeresgeschichtlichen Museums: Jenes Automobil, in dem der österreichisch-ungarische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich-Este (geb. 1863) und seine Gemahlin Herzogin Sophie von Hohenberg (geb. Gräfin Chotek von Chotkowa und Wogninin 1868) am 28. Juni 1914 in Sarajevo ermordet wurden.

©Nadja Meister
©HGM/Atelier Hans Schubert, Wien

Der Wagen (Doppelphaeton der Wiener Firma Gräf & Stift, Baujahr 1910) gehörte Franz Graf Harrach (1870-1937), selbst Angehöriger des k.k. Österreichischen Freiwilligen Automobilkorps und Adjutant des Erzherzogs. Der Graf hatte dem Thronfolger sein Automobil für die in Bosnien-Herzegowina im Juni 1914 stattfindenden Manöver zur Verfügung gestellt, an denen dieser als Generalsinspektor der gesamten österreichisch-ungarischen Streitkräfte teilnehmen sollte. Graf Harrach nahm schließlich auch selbst an der Fahrt in Sarajevo teil.

©HGM

Es gab bereits zu diesem Zeitpunkt zahlreiche Warnungen vor möglichen Attentatsplanungen. Erzherzog Franz Ferdinand soll jedoch darauf äußerst unbeeindruckt reagiert haben: „Unter einen Glassturz lasse ich mich nicht stellen. In Lebensgefahr sind wir immer. Man muss nur auf Gott vertrauen.“ Da es das Wetter zuließ wurde sogar entschieden, mit offenem Verdeck zu fahren.

©HGM/Atelier Hans Schubert, Wien

Auf dem Weg zum Rathaus ereignete sich der erste Attentatsversuch. Einer der entlang der Route stehenden Attentäter, Nedeljko Cabrinovic (1895-1916), warf dabei eine Handgranate gegen das Fahrzeug des Thronfolgers, der diese jedoch selbst abwehren konnte. Auf der Rückseite des Wagens können die Schäden der Explosion noch immer gesehen werden. Bei der anschließenden Explosion wurde auch das nachfolgende Fahrzeug beschädigt, sowie mehrere Personen verletzt, u.a. Oberstleutnant Erik Edler von Merizzi (1873-1917), der Flügeladjutant von Feldzeugmeister Oskar Potiorek, dem Landeschef von Bosnien-Herzegowina.

Die Fahrt zum Rathaus sollte jedoch fortgesetzt werden. Nach einem aufgrund der Umstände stark verkürzten Besuch des Rathauses wurde letztlich entschieden, den verletzten Oberstleutnant Merizzi im Krankenhaus zu besuchen. Die Fahrtroute wurde dabei kurzfristig abgeändert, wobei es zu einem verhängnisvollen Missverständnis kam.

© HGM

Auf der Höhe der Lateinerbrücke bog das erste Fahrzeug des Konvois in die Franz-Josef Straße ein, anstatt dem Appelquai geradeaus zum Krankenhaus zu folgen. Auch der nachkommende Wagen des Thronfolgers bog nach rechts ab, bevor die Kolonne zum Anhalten gebracht werden konnte, um die vorgesehene Route wieder aufzunehmen.

Die Fahrzeuge mussten nun zurückschieben, ein damals äußerst schwieriges Unterfangen für die Lenker, welches entsprechend viel Zeit in Anspruch nahm, da zum Einlegen des Rückwärtsganges, das Fahrzeug zunächst kurzfristig zum Stillstand gebracht werden musste.

©HGM/Atelier Hans Schubert, Wien

Diesen Moment nutzte ein weiterer Attentäter, Gavrilo Princip (1894-1918), der zu diesem Zeitpunkt genau an jener Straßenecke stand und mit seiner Pistole die tödlichen Schüsse auf das Thronfolgerpaar abgeben sollte. Der erste Schuss des Attentäters galt eigentlich dem Landeschef von Bosnien und Herzegowina, Feldzeugmeister Oskar Potiorek (1853-1933), den er jedoch verfehlte. Die Kugel durchschlug das Seitenverdeck des Wagens und traf an seiner Stelle die Herzogin in den Unterleib. Erst der zweite Schuss traf den Thronfolger am Hals.

©HGM/Atelier Hans Schubert, Wien

Nach rascher Fahrt zur Residenz Potioreks, dem so genannten Konak von Sarajevo, konnte letztlich nur noch der Tod des kaiserlichen Paares festgestellt werden. Ihre Leichname wurden aufgebahrt, nach Triest und Wien überführt und schließlich nach Schloss Artstetten gebracht, wo ihre Beisetzung in engstem Familienkreis stattfand.

Für Österreich-Ungarn trug an der Ermordung des Thronfolgers allein Serbien die politische Schuld und so richtete man ein entsprechendes Ultimatum an die serbische Regierung, dessen Forderungen letzten Endes in ihrer Gesamtheit nicht erfüllt werden konnten. Aus einem zunächst scheinbar begrenzten Konflikt entwickelte sich binnen weniger Wochen ein Bündniskrieg, in dem die Mittelmächte Österreich-Ungarn, das Deutsche Reich und das Osmanische Reich (ab Oktober 1914), den Staaten der Entente, dem Russischen Reich, Frankreich und Großbritannien, sowie Serbiengegenüberstanden. Weitere Staaten sollten sich in den nachfolgenden Jahren an dem Krieg beteiligen, so dass letzten Endes ein Weltenbrand entstand, der nicht weniger als 36 Staaten erfasste.

Das Fahrzeug sollte nach den Untersuchungen zum Attentat an seinen Besitzer, Graf Franz Harrach, zurückgestellt werden. Dieser war jedoch an der Rücknahme wenig interessiert, die Ereignisse dürften ihn wohl dazu veranlasst haben, Abstand von einer weiteren Verwendung des Autos zu nehmen. Er schenkte es Kaiser Franz Joseph. Im Bewusstsein der besonderen Verbindung des Fahrzeuges mit dem Schicksal des Thronfolgers, übergab es der Kaiser kurzer Hand dem damaligen Heeresmuseum im Wiener Arsenal. Im August 1914 dürfte der Wagen sodann im Arsenal angekommen und kurz darauf in die Sammlung des Museums aufgenommen worden sein.

Dazu im Shop erhältlich:

Christian M Ortner; Thomas Ilming

Das Auto von Sarajevo

Der geschichtsträchtigste Oldtimer der Welt

24,95 EUR inkl. MwSt.

zum Seitenanfang